Armin Mueller-Stahl, Selbst mit roter Geige, 2019, Foto Margret Witzke, Stiftung Museum Schloss Moyland © Armin Mueller-Stahl & VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Armin Mueller-Stahl, Selbst mit roter Geige, 2019, Foto Margret Witzke, Stiftung Museum Schloss Moyland © Armin Mueller-Stahl & VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: opelvillen / Stiftung Opelvillen

Wann: 14.10.2026 - 04.04.2027

Was bleibt von einem Menschen, wenn Erinnerung gegen das Vergessen malt? Mit der Ausstellung „Armin Mueller-Stahl. Nacht und Tag auf der Erde“ laden die Opelvillen Rüsselsheim zu einer außergewöhnlichen Ausstellung in Rüsselsheim ein, in der Malerei weniger Abbild als Haltung ist. Krieg, Diktatur, jüdisches Leben, Schuld und Hoffnung werden nicht illustriert, sondern in Farbe, Linie und Schrift zu persönlichen Erinnerungsräumen verdichtet.

Armin Mueller-Stahl, Selbst mit roter Geige
Die Geige wird nicht zum Instrument, sondern zur Erinnerung. Das Gesicht löst sich zwischen Licht und Schatten auf, als würden verschiedene Lebensalter gleichzeitig sichtbar. Farbflächen überlagern die Züge, Linien bleiben fragmentarisch, die Figur wirkt zugleich anwesend und entrückt. Mueller-Stahl malt keinen Musiker, sondern einen Menschen, dessen Erinnerungen lauter geworden sind als jede Melodie.

v.l.n.r.: Kristin Schrader (Kunsthalle Emden), Antje-Britt Mählmann (Stiftung Museum Schloss Moyland), Beate Kemfert (Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim) und Armin Mueller-Stahl © Foto: Gabriele Mueller-Stahl
v.l.n.r.: Kristin Schrader (Kunsthalle Emden), Antje-Britt Mählmann (Stiftung Museum Schloss Moyland), Beate Kemfert (Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim) und Armin Mueller-Stahl © Foto: Gabriele Mueller-Stahl – Mit freundlicher Genehmigung von: opelvillen / Stiftung Opelvillen

Armin Mueller-Stahl malt keine historischen Ereignisse nach. Er sucht nach den Spuren, die sie im Menschen hinterlassen. Seine Bilder erzählen von Erinnerungen, die sich nicht verdrängen lassen, von Begegnungen, die ein Leben verändern, und von einer Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hineinwirkt. Schriftzüge überlagern Gesichter, Farbflächen lösen Konturen auf, Figuren scheinen zwischen Anwesenheit und Verschwinden zu schweben. Seine Werke verlangen keinen schnellen Blick – sie laden dazu ein, innezuhalten und zwischen den Schichten von Farbe und Erinnerung zu lesen.

Armin Mueller-Stahl, Better You Show Me, 2004, Foto Kunsthaus Lübeck, Stiftung Museum Schloss Moyland © Armin Mueller-Stahl & VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Armin Mueller-Stahl, Better You Show Me, 2004, Foto Kunsthaus Lübeck, Stiftung Museum Schloss Moyland © Armin Mueller-Stahl & VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: opelvillen / Stiftung Opelvillen

Mehr als 100 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken öffnen den Blick auf ein Werk, das Erinnerungen nicht ordnet, sondern lebendig hält. Die Ausstellung folgt keiner Chronologie. Sie bewegt sich entlang jener Themen, die Armin Mueller-Stahl über Jahrzehnte begleitet haben: politische Unterdrückung, menschliche Würde, Verlust, Hoffnung und die Frage, wie Erinnerung bewahrt werden kann.

Einen besonderen Platz nimmt das erstmals öffentlich gezeigte Porträt der jüdischen Künstlerin Olga Oppenheimer ein. Von ihrem eigenen Werk ist nur ein kleiner Teil erhalten geblieben. Mueller-Stahl begegnet ihr deshalb nicht allein als Malerin, sondern als Symbol für jene Künstler, deren Stimmen durch Verfolgung und Gewalt beinahe ausgelöscht wurden. Sein Bild wird so zu einer stillen Geste des Erinnerns – und zu einem Plädoyer gegen das Vergessen.

Armin Mueller-Stahl, Olga Oppenheimer, 2026, Foto Frank Möllenberg, Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim © Armin Mueller-Stahl & VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Armin Mueller-Stahl, Olga Oppenheimer, 2026, Foto Frank Möllenberg, Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim © Armin Mueller-Stahl & VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: opelvillen / Stiftung Opelvillen
Armin Mueller-Stahl, Olga Oppenheimer
Dieses Porträt sucht keine Ähnlichkeit – es sucht Erinnerung. Olga Oppenheimer erscheint nicht als historische Figur, sondern als eine Stimme, die beinahe verstummt wäre.

Die offenen Pinselstriche lassen ihr Gesicht zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden schweben, während ihr Name über dem Bild wie eine leise Beschwörung steht. Mueller-Stahl malt hier nicht nur eine Künstlerin. Er gibt einer fast vergessenen Biografie ihren Platz im kulturellen Gedächtnis zurück.

Manche Bilder sprechen nicht laut. Sie warten geduldig darauf, dass der Betrachter innehält. Erst dann beginnt sich hinter den Farben eine Geschichte zu öffnen – eine Geschichte, die weniger von Vergangenheit erzählt als von unserer Verantwortung, sie lebendig zu halten.

Armin Mueller-Stahl, Donald T., 2018, Foto Kunsthalle St. Annen, Michael Haydn, Stiftung Museum Schloss Moyland © Armin Mueller-Stahl & VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Armin Mueller-Stahl, Donald T., 2018, Foto Kunsthalle St. Annen, Michael Haydn, Stiftung Museum Schloss Moyland © Armin Mueller-Stahl & VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: opelvillen / Stiftung Opelvillen

Mit der Werkreihe „Selbst in …“, die erstmals mit ausgewählten Arbeiten präsentiert wird, richtet Mueller-Stahl den Blick schließlich auf sich selbst. Erinnerungen an seine Schauspielkarriere, persönliche Erfahrungen und Emotionen verdichten sich zu einer Bildsprache aus Zeichnung, Malerei und Schrift. Auf die Frage, was diese Arbeiten verbinde, antwortet der Künstler mit zwei schlichten Worten: „Alles Emotionen.“ Tatsächlich scheinen seine Bilder weniger Antworten geben zu wollen, als Fragen zu stellen – nach Identität, Erinnerung und Menschlichkeit.

Tags: Armin Mueller-Stahl, Olga Oppenheimer, Gegenwartskunst, Malerei, Figurative Kunst, expressive Kunst, neoexpressiven Malerei

Die Opelvillen Rüsselsheim sind dienstags sowie donnerstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und mittwochs von 10 bis 20 Uhr geöffnet; montags bleibt das Museum geschlossen.