Eine besonders berührende Szene zeigt Aid (2026).
Am Ufer eines Gewässers liegt ein Mann am Boden. Ein zweiter beugt sich über ihn, stützt seinen Körper und scheint sich um ihn zu kümmern.
Was geschehen ist, wissen wir nicht.
Vielleicht ist der Mann gestürzt. Vielleicht ist er erschöpft. Vielleicht handelt es sich um einen Augenblick, dessen Bedeutung sich erst aus einer längeren Geschichte erschließen würde.
Doch eines wird sichtbar: Ein Mensch ist auf die Unterstützung eines anderen angewiesen.
Schwere Pinselstriche in Grau, Blau, Violett und Rosa überlagern die Figuren. Sie wirken beinahe wie zusätzliche Lasten, die sich über die Körper legen.
Und trotzdem besitzt das Bild eine stille Wärme.
Während andere Werke der Ausstellung von Einsamkeit, innerer Distanz oder unerreichbarer Nähe erzählen, erscheint hier eine unmittelbare menschliche Handlung: Jemand ist da, als ein anderer Hilfe braucht.
Es ist keine große Geste. Vielleicht gerade deshalb ist sie so eindringlich.
Zwischen Film, Fotografie und Malerei
Erik Schmidts Arbeiten entstehen aus einem intensiven Dialog unterschiedlicher Bildmedien. Die Verbindung von Fine-Art-Print und Ölmalerei auf Leinwand ist dabei nicht nur eine technische Besonderheit, sondern ein wesentlicher Bestandteil seiner künstlerischen Sprache.
Fotografische Bilder bewahren Augenblicke. Die Malerei greift in diese Augenblicke ein, überlagert sie, verändert ihre Gewichtung und eröffnet neue Möglichkeiten der Wahrnehmung.
Was zunächst dokumentarisch erscheint, verliert seine Eindeutigkeit.
Ein Gesicht verschwindet hinter Farbe. Eine Landschaft verwandelt sich in ein beinahe abstraktes Geflecht. Eine alltägliche Geste erhält plötzlich eine emotionale Tiefe, die sich nicht mehr allein aus der dargestellten Situation erklären lässt.
Einen wichtigen Ausgangspunkt der Ausstellung bildet die Videoarbeit Rough Trade aus dem Jahr 2025.
Darin kehrt Schmidt selbst an Orte zurück, die mit seinen früheren Filmen verbunden sind oder diesen ähneln. Seine Reise führt ihn durch Berlin, in private Innenräume und in die Welt moderner Büroarchitektur. Schließlich begibt er sich in ein Schlauchboot auf einen Seerosenteich – jenes Motiv, das auch im Zentrum der Ausstellung steht.
Diese Rückkehr an vertraute Orte lässt sich als eine Form der künstlerischen Selbstbefragung verstehen. Schmidt begegnet seiner eigenen Vergangenheit, ohne sie einfach nostalgisch wieder aufleben zu lassen. Vielmehr scheint er das Vergehen der Zeit zu untersuchen und der Frage nachzugehen, was von vergangenen Erfahrungen, Begegnungen und Lebensabschnitten in unserer Erinnerung zurückbleibt.
Das Schlauchboot auf dem Seerosenteich wird dabei zu einem eindringlichen Bild des Innehaltens. Während sich die Wasseroberfläche in unzähligen Farben und Bewegungen auflöst, verharrt die menschliche Figur beinahe regungslos in ihrer Mitte.
Vielleicht geht es weniger darum, Antworten auf das eigene Leben zu finden, als vielmehr darum, für einen Augenblick innezuhalten und zu betrachten, was die Zeit hinterlassen hat.
So verbinden sich persönliche Vergangenheit, filmische Selbstbeobachtung und Malerei zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit Erinnerung, Vergänglichkeit und Identität.
Was bleibt, wenn der Augenblick vergangen ist?
Vielleicht liegt die besondere Qualität von Erik Schmidts Arbeiten darin, dass sie nicht versuchen, Geschichten vollständig zu erzählen.
Sie zeigen Ausschnitte aus einem Leben, Begegnungen ohne erklärende Vorgeschichte und Augenblicke, deren Bedeutung wir nur erahnen können.
Seine Farben sind oft leuchtend, manchmal geradezu verschwenderisch. Doch unter dieser farblichen Intensität liegt eine stille Melancholie.
Ein Mensch treibt allein auf dem Wasser. Andere liegen dicht beieinander und scheinen dennoch unerreichbar. Eine Frau öffnet ihre Arme zur Welt. Zwei Menschen suchen Nähe. Einer hilft einem anderen.
Jedes dieser Bilder trägt seine eigene Geschichte in sich.
Und vielleicht begegnen wir in ihnen nicht nur den Erinnerungen und Beobachtungen des Künstlers, sondern auch unseren eigenen.
Denn manchmal ist es gerade das Ungesagte, das ein Bild unvergesslich macht.