Noch bevor die Statue den Atlantik überquerte, konnten Besucher ihre gewaltigen Dimensionen erleben. Einzelne Teile wurden öffentlich präsentiert, darunter die Fackel und der Kopf. Die monumentale Figur wurde schließlich in Paris probeweise vollständig montiert.
Für die Menschen des 19. Jahrhunderts muss dieser Anblick überwältigend gewesen sein: Eine kupferne Frauengestalt ragte über die Werkstätten hinaus, während Arbeiter an ihrem Inneren beschäftigt waren.
Die Statue war nicht nur ein Kunstwerk. Sie war ein öffentliches Ereignis, ein technisches Experiment und ein Symbol des Fortschritts.
1884 war die Figur fertiggestellt. Anschließend wurde sie wieder zerlegt, in zahlreiche Einzelteile verpackt und für ihre Reise nach Amerika vorbereitet.
Eine Göttin überquert den Atlantik
Im Juni 1885 erreichten die Einzelteile der Freiheitsstatue an Bord des französischen Schiffes Isère den Hafen von New York.
Während Frankreich die Statue finanzierte, waren die Vereinigten Staaten für den Sockel verantwortlich. Dessen Errichtung hatte sich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten verzögert. Erst eine große Spendenkampagne, unterstützt durch den Zeitungsverleger Joseph Pulitzer, trug entscheidend dazu bei, die notwendigen Mittel aufzubringen.
Auf Bedloe’s Island, der heutigen Liberty Island, wurde die Statue Stück für Stück wieder zusammengesetzt.
Am 28. Oktober 1886 erfolgte schließlich die feierliche Einweihung in Anwesenheit des amerikanischen Präsidenten Grover Cleveland.
Aus Bartholdis französischem Traum war ein amerikanisches Wahrzeichen geworden.
Doch ihre Bedeutung sollte sich weiter verändern.
Vom Denkmal der Freundschaft zum Symbol der Hoffnung
Ursprünglich war die Freiheitsstatue als Zeichen der Freundschaft zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten sowie als Ausdruck republikanischer Freiheit gedacht.
Mit der zunehmenden Einwanderung in die Vereinigten Staaten erhielt sie eine weitere Bedeutung.
Für Millionen Menschen, die auf Schiffen den Hafen von New York erreichten, wurde die monumentale Figur zu einem der ersten sichtbaren Zeichen ihrer neuen Heimat.
Besonders das 1883 entstandene Gedicht The New Colossus von Emma Lazarus prägte diese Vorstellung. Es wurde 1903 auf einer Bronzetafel im Sockel der Statue angebracht.
Die Freiheitsstatue wurde damit zu weit mehr als einem politischen Denkmal. Sie entwickelte sich zu einem Sinnbild für Hoffnung, Aufnahme und die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben.
Ihre Geschichte erzählt allerdings auch von einem Spannungsverhältnis: zwischen dem Ideal universeller Freiheit und einer gesellschaftlichen Wirklichkeit, in der diese Freiheit keineswegs allen Menschen gleichermaßen gewährt wurde.
Gerade diese Widersprüche machen das Monument bis heute zu einem bedeutenden Gegenstand historischer und politischer Auseinandersetzungen.
Musée d’Orsay – Eine virtuelle Reise in Bartholdis Werkstätten
Die immersive Erfahrung A Statue for Liberty. Bartholdi’s Dream, from Paris to New York macht die Entstehung der Freiheitsstatue auf ungewöhnliche Weise erfahrbar.
Die Besucher begeben sich auf eine virtuelle Zeitreise, die von Bartholdis ersten künstlerischen Vorstellungen über die Pariser Werkstätten bis zur Errichtung des Monuments in New York führt.
Dabei verändern sich die Größenverhältnisse ständig. Aus einer kleinen Skizze wird eine monumentale Figur. Die Besucher erleben, wie sich die Konstruktion aus Kupferplatten, Gerüsten und tragenden Elementen zusammensetzt.