ARTe Kunstmesse Wiesbaden – Besucher zwischen Galerien und Kunstwerken im RheinMain CongressCenter © LissNau
ARTe Kunstmesse Wiesbaden – Besucher zwischen Galerien und Kunstwerken im RheinMain CongressCenter © LissNau – Mit freundlicher Genehmigung von: ArteKunstmessen / ARTe Kunstmessen GmbH

Was: Messe

Wann: 11.09.2026 - 13.09.2026

ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026: Wenn der Blick plötzlich etwas anderes sieht

Eine Frau sitzt auf einer einfachen Holzkiste, ihr Körper besteht aus Dingen, die andere längst weggeworfen hätten – und plötzlich wird aus vermeintlichem Abfall eine monumentale Erscheinung. Auf der ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026 begegnet man vom 11. bis 13. September im RheinMain CongressCenter in Wiesbaden immer wieder diesem Moment: Kunst verändert etwas, das wir zu kennen glaubten. Einen Gegenstand. Einen Raum. Einen Menschen. Manchmal genügt ein anderer Blick, und die vertraute Welt beginnt sich zu verschieben.

Zur achten Ausgabe versammelt die ARTe rund 170 Galerien und Künstler auf 5.000 Quadratmetern. Doch vielleicht erschließt sich eine Kunstmesse dieser Größe am besten nicht über Zahlen, sondern über einzelne Begegnungen.

Wenn das Weggeworfene wieder einen Körper bekommt

Eunice Kamanda – monumentale Skulptur aus recycelten Materialien, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026
Eunice Kamanda – monumentale Skulptur aus recycelten Materialien, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: ArteKunstmessen / ARTe Kunstmessen GmbH

Bei Eunice Kamanda beginnt diese Begegnung mit Material, dessen Geschichte eigentlich beendet scheint. Die Bildhauerin verwendet ausrangierte Gegenstände und fügt sie zu großen menschlichen Figuren zusammen. Ihre Größe ist kein Zufall. Kamanda möchte Arbeiten schaffen, die schon aus der Entfernung Aufmerksamkeit verlangen – denn mit ihnen verbindet sie eine gesellschaftliche Botschaft.

Es geht ihr um Recycling, aber ebenso um unsere Vorstellung von Wert und Schönheit. Was als hässlich gilt, was nicht mehr gebraucht wird, erhält eine neue Existenz. Inspiriert vom Gedanken Antoine Laurent de Lavoisiers, dass nichts verloren gehe, sondern sich alles verwandle, formuliert Kamanda ihre Haltung sehr unmittelbar: „Alte Gegenstände gehen nicht verloren, sie müssen geborgen werden und ein zweites Leben erhalten.“

Dass sie in einer Künstlerfamilie aufwuchs, als Kind Figuren aus Ton formte und später Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Kinshasa studierte, erklärt den handwerklichen Weg. Der eigentliche Kern ihrer Arbeit liegt jedoch in etwas anderem: Kamanda gibt dem Übersehenen seine Sichtbarkeit zurück.

Eine Treppe, die keine Treppe mehr sein will

Harry Lieber – Fine Art Architekturfotografie einer spiralförmigen Treppe, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026
Harry Lieber – Fine Art Architekturfotografie einer spiralförmigen Treppe, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: ArteKunstmessen / ARTe Kunstmessen GmbH

Nur wenige Schritte weiter kann sich der Blick vollkommen verändern. Bei Harry Lieber wird aus Architektur eine beinahe abstrakte Bewegung. In seiner schwarzweißen Fotografie windet sich eine Treppe um einen hellen Mittelpunkt. Stufen werden zu Rhythmus, Geländer zu Linien, Licht und Schatten bestimmen plötzlich stärker das Bild als die Funktion des Gebäudes.

Seit mehr als fünfzehn Jahren beschäftigt sich Lieber mit Fine Art Architekturfotografie. Ihn interessiert nicht das bloße Abbild eines Bauwerks, sondern jene Perspektive, in der das Vorhandene eine andere Sprache entwickelt. Er sucht, wie er selbst sagt, nach dem „Reizvollen und Schönen hinter dem Offensichtlichen“.

Für einen Augenblick ist es keine Treppe mehr. Der Blick folgt den Stufen nach innen, verliert oben und unten und findet stattdessen eine Bewegung. Man weiß noch, was man sieht – und sieht plötzlich etwas vollkommen anderes.

Was geschieht in einem leeren Raum?

Rainer Bergmann – figurative Malerei mit Frau vor leeren roten Sitzreihen, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026
Rainer Bergmann – figurative Malerei mit Frau vor leeren roten Sitzreihen, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: ArteKunstmessen / ARTe Kunstmessen GmbH

Bei Rainer Bergmann genügt dagegen eine einzelne menschliche Figur. Eine Frau steht vor Reihen leerer roter Sitze. Sie hat uns den Rücken zugewandt. Ob sie wartet, ob gerade etwas zu Ende gegangen ist oder etwas erst beginnen wird, bleibt offen.

Gerade diese Ungewissheit macht den Moment stark. Bergmann beschäftigt sich seit mehr als drei Jahrzehnten mit figurativer Malerei und findet seine Motive mitten im Leben. Beziehung, Entwicklung und Veränderung bilden dabei zentrale Themen – sowohl in seiner Kunst als auch in seiner Tätigkeit als Supervisor und Coach.

Seine Malerei erzählt deshalb nicht unbedingt, was geschehen ist. Sie hält jenen Augenblick fest, in dem wir beginnen, selbst eine Geschichte zu suchen.

Der Mensch allein – und der Mensch unter Menschen

Wolfgang Blanke – Malerei mit Menschen und Tischgruppen aus der Vogelperspektive, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026
Wolfgang Blanke – Malerei mit Menschen und Tischgruppen aus der Vogelperspektive, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: ArteKunstmessen / ARTe Kunstmessen GmbH

Bei Wolfgang Blanke wechselt die Perspektive. Statt einer einzelnen Figur sehen wir Menschen von oben. Sie sitzen an Tischen, stehen beieinander, bewegen sich durch einen offenen Raum. Aus der Distanz verlieren sich individuelle Gesichtszüge; dafür werden Beziehungen sichtbar. Kleine Gruppen entstehen, Zwischenräume öffnen sich, Menschen kommen zusammen und gehen wieder auseinander.

Blanke kennt den Blick aus wechselnden Perspektiven vielleicht auch aus einem ungewöhnlichen Leben. Der 1948 in Münster geborene Künstler fuhr zunächst zur See, studierte anschließend Kunst und lebte später über längere Zeit auf Segelyachten. Seit 2016 arbeitet er in seinem Atelier am Hafen in Wiesbaden-Schierstein.

In seiner Malerei wird aus dem alltäglichen Miteinander eine stille Choreografie. Nicht der einzelne Mensch verschwindet – er wird Teil eines größeren Bildes.

Die Stadt spielt sich selbst

Kerstin Emrich-Thomas – urbane Malerei eines modernen Café-Interieurs, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026
Kerstin Emrich-Thomas – urbane Malerei eines modernen Café-Interieurs, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: ArteKunstmessen / ARTe Kunstmessen GmbH

Bei Kerstin Emrich-Thomas kommen wir den Menschen wieder näher. Ein Café wird zur Bühne. Licht fällt über Tresen und Barhocker, Pflanzen treffen auf die geometrischen Strukturen des Raumes, Menschen warten, sprechen oder gehen vorüber.

Nichts daran wäre im Alltag besonders bemerkenswert. Genau darin liegt der Reiz.

Emrich-Thomas beschäftigt sich seit 2010 intensiv mit urbanen Szenarien und jugendlicher Lebenskultur. Ihre Malerei bewegt sich zwischen fotorealistischer Genauigkeit und skizzenhafter Offenheit. Sie selbst beschreibt ihre Figuren als „modern, weltoffen, cool“ und die Großstadt als Bühne flüchtiger alltäglicher Szenen.

Ihre Bilder erinnern daran, wie viel wir übersehen, weil es uns zu vertraut geworden ist.

Wenn ein Gesicht aus dem Bild zu verschwinden beginnt

Georg Pummer – Frauenporträt mit weißen Blüten und fragmentierter Bildstruktur, Galerie Vogel, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026
Georg Pummer – Frauenporträt mit weißen Blüten und fragmentierter Bildstruktur, Galerie Vogel, ARTe Kunstmesse Wiesbaden 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: ArteKunstmessen / ARTe Kunstmessen GmbH

Bei Georg Pummer, präsentiert von der Galerie Vogel, gerät ausgerechnet etwas ins Wanken, das uns besonders vertraut erscheint: das menschliche Gesicht. Ein Frauenporträt mit weißen Blüten erinnert zunächst an klassische Vorstellungen von Schönheit, doch die Harmonie hält nicht lange. Rechteckige Fragmente durchbrechen Augen, Haut und Haare, Teile der Erscheinung scheinen verschoben oder aus dem Bild herausgelöst.

Pummer lässt das Porträt damit zwischen zwei Welten schweben. Der Mensch bleibt erkennbar, zugleich erinnert die Fragmentierung an digitale Bildstörungen und an eine Gegenwart, in der Gesichter permanent fotografiert, gefiltert, verändert und neu zusammengesetzt werden. Die Schönheit verschwindet dabei nicht – aber unsere Gewissheit darüber, was wir eigentlich sehen, bekommt Risse.

Die Galerie Vogel stellt Pummers Arbeiten in Wiesbaden gemeinsam mit Werken von Rodrigo Zaniboni vor, dessen Malerei den menschlichen Körper und die Figur auf ganz andere Weise zwischen Gegenständlichkeit und malerischer Auflösung erscheinen lässt.

170 Möglichkeiten, anders zu sehen

ARTe Kunstmesse Wiesbaden – Besucher bei einer Kunstführung zwischen Gemälden und Skulpturen im RheinMain CongressCenter © LissNau
ARTe Kunstmesse Wiesbaden – Besucher bei einer Kunstführung zwischen Gemälden und Skulpturen im RheinMain CongressCenter © LissNau – Mit freundlicher Genehmigung von: ArteKunstmessen / ARTe Kunstmessen GmbH

Diese Positionen bilden nur einen kleinen Ausschnitt der 170 Aussteller, die 2026 nach Wiesbaden kommen. Neben zeitgenössischer Kunst ist auch Klassische Moderne vertreten. Zu den genannten Teilnehmern gehören unter anderem Galerie Kunst-Schaefer, Galerie Nieder, Kümmel.Gallery, Kunsthandel Henneken und Kunsthandel Stefan Decker. International erweitert das Niluh Swati Indonesian Art Program die Messe um Positionen aus Indonesien.

Einen besonderen Akzent setzt erneut der „Pavillon Wiesbadener Künstler“ im Foyer. Mehr als 20 Kunstschaffende aus Wiesbaden erhalten dort eine eigene Bühne; die aktuelle Ausgabe nennt unter anderem Milanda De Mont, Anke Rohde und erstmals Matthias Uhler.

Die ARTe öffnet am Freitag, 11. September, von 17 bis 21 Uhr, am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr. Am Freitag ist der Eintritt zwischen 17 und 18 Uhr frei. Veranstaltungsort ist das RheinMain CongressCenter, Friedrich-Ebert-Allee 1, Wiesbaden. Kostenlose Messeführungen werden am Samstag um 13, 15 und 17 Uhr sowie am Sonntag um 13 und 15 Uhr angeboten.

Vielleicht liegt genau darin der Reiz einer Kunstmesse: Man betritt dieselbe Halle wie alle anderen – und verlässt sie im besten Fall mit einem Blick auf die Welt, den man vorher noch nicht hatte.

Tags: Gegenwartskunst, Klassische Moderne, Zeitgenössische Kunst, Kunstmarkt, Malerei, Skulpturen, Fotografie, Installation, Eunice Kamanda, Harry Lieber, Rainer Bergmann, Wolfgang Blanke, Kerstin Emrich-Thomas, Georg Pummer, Schwarzweißfotografie‎

Freitag, 11. September 2026: 17:00–21:00 Uhr
Samstag, 12. September 2026: 10:00–18:00 Uhr
Sonntag, 13. September 2026: 10:00–18:00 Uhr

Veranstaltungsort
RheinMain CongressCenter
Friedrich-Ebert-Allee 1
65185 Wiesbaden

Führungen
Samstag, 12. September: 13:00, 15:00 und 17:00 Uhr
Sonntag, 13. September: 13:00 und 15:00 Uhr

Tickets und weitere Informationen
Ermäßigte Tickets sind im Online-Vorverkauf erhältlich. Führungen können vorab gebucht werden.