Bereits 1959 zeigte die Image Gallery in New York einige seiner Selbstporträts. Nach seiner Rückkehr begann er, Fotografien unter anderem in Esquire und Vogue zu veröffentlichen. Bekannt wurde Michals jedoch vor allem durch seine inszenierten Bildfolgen, in denen er mehrere Fotografien mit handschriftlichen Texten kombinierte. Seine Arbeiten bewegten sich zwischen Traum und Wirklichkeit, Philosophie und Erinnerung und stellten die Grenzen des klassischen fotografischen Mediums infrage.
Zu seinen bekanntesten Werkgruppen zählen Spirit Leaves (1968), Death Comes to an Old Lady (1969) sowie Things are Queer (1973). Immer wieder beschäftigte er sich mit Spiritualität, Identität und den Rätseln menschlicher Existenz. Der Kunsthistoriker Lewis Blackwell schrieb 2009 in The Life of a Photographer and Their Art: „Als [Henri] Cartier-Bressons ‚entscheidender Moment‘ die Definition der Fotografie war, interessierte mich der Moment davor und danach.“
1970 widmete das Museum of Modern Art in New York Duane Michals eine Einzelausstellung. Wenige Jahre später begann er, seine Fotografien direkt mit handschriftlichen Notizen zu versehen und ihnen kurze Texte beizugeben, die den Bildern eine zusätzliche erzählerische Ebene verliehen. Diese Arbeitsweise sollte sein gesamtes späteres Schaffen prägen. Noch in den vergangenen Jahren experimentierte er mit Kurzfilmen und bewegten Bildern und entwickelte seine unverwechselbare Bildsprache kontinuierlich weiter.
In einem Interview mit BOMB Magazine aus dem Jahr 2023 beschrieb Michals sein Verständnis von Fotografie mit den Worten: „Kameras beschreiben sehr gut. Aber bis der Fotograf das Bild mit dem versieht, was er denkt, ist es mehr Beschreibung.“ Dieser Satz steht exemplarisch für ein Werk, das sich nie mit der bloßen Abbildung der Wirklichkeit zufriedengab, sondern stets nach den Geschichten hinter dem Sichtbaren suchte.
Mit Duane Michals verliert die Fotografie einen Künstler, der das Medium um poetische, philosophische und autobiografische Dimensionen erweitert hat. Seine Arbeiten befinden sich heute in den Sammlungen bedeutender Museen weltweit und gelten als wichtige Wegmarken der konzeptuellen Fotografie. Zugleich zählt sein Œuvre zu den konstant nachgefragten Positionen des internationalen Blue-Chip-Kunstmarkts und belegt seine anhaltende Bedeutung für Kunstgeschichte und Gegenwartskultur.
Der Tod von Duane Michals lenkt den Blick erneut auf das Werk eines der einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, dessen Verbindung von Bild, Text und Erzählung die internationale Fotografie bis heute nachhaltig prägt.