Bei Jakob Lena Knebl ist von der zurückhaltenden Beobachtung endgültig nichts mehr übrig. amore ettore, 2011 in Wien entstanden und von Georg Petermichl fotografiert, verwandelt den Körper in eine Konstruktion aus Farbe, geometrischen Formen, Stäben und Prothesen.
Das Bild wirkt gleichzeitig wie Porträt, Skulptur und Performance. Genau darin schließt sich ein Kreis: Gut neun Jahrzehnte nachdem Moritz Nähr Gustav Klimt nahezu klassisch vor seiner Kamera festhielt, muss ein fotografiertes Gegenüber längst nicht mehr einfach nur „abgebildet“ werden.
Der Archival Pigment Print, Exemplar 2/5, startet bei 1.200 Euro und ist mit 2.000 bis 2.400 Euro geschätzt.
Was bleibt von einem Foto?
Vielleicht ist es genau diese Spannweite, die die OstLicht-Auktion innerhalb der PARALLEL Vienna so interessant macht. Zwischen Moritz Nährs Klimt-Porträt von 1917 und den inszenierten Bildwelten des 21. Jahrhunderts liegen nicht nur Jahrzehnte. Dazwischen verändert sich die Vorstellung davon, was eine Fotografie überhaupt sein kann.
Sie kann Zeugnis sein und Erinnerung, Reportage und Porträt, Performance und Experiment. Sie kann einen historischen Augenblick festhalten – oder einen Augenblick überhaupt erst für die Kamera erschaffen.
Und manchmal genügt eine Blume vor einem Gewehr, damit aus einem Sekundenbruchteil ein Bild für Jahrzehnte wird.