Rolex Sky-Dweller Ref. 336235 in 18 Karat Everose-Gold mit schokoladenfarbenem Zifferblatt, 2025
Rolex Sky-Dweller Ref. 336235 in 18 Karat Everose-Gold mit schokoladenfarbenem Zifferblatt, 2025 – Mit freundlicher Genehmigung von: uhrenmuser / Auktionen Dr. H. Crott

Was: Auktion

Wann: 31.10.2026

445 Jahre Uhrmacherkunst – eine Zeitreise durch die Auktion bei Dr. Crott

Was bleibt von einer Uhr, wenn man fast 450 Jahre zurückblättert? Zunächst verschwindet das Kautschukband, dann die Armbanduhr selbst. Aus dem persönlichen Zeitmesser wird ein Taschenchronometer, aus ihm ein kostbares Kunstobjekt – bis wir schließlich bei einer Renaissance-Uhr ankommen, die eher in einer Kunstkammer als auf einem Nachttisch zu erwarten wäre.

Die Auktion 2026 bei Auktionen Dr. Crott lässt sich deshalb auch anders betrachten als über Marken, Referenzen und Schätzpreise. Zwischen einer Rolex Sky-Dweller von 2025 und einer süddeutschen Vasenuhr aus der Zeit um 1580 liegen rund 445 Jahre Geschichte der Zeitmessung. Sie erzählen von technischer Präzision und wissenschaftlichem Fortschritt, aber ebenso von Repräsentation, Schmuckkunst, Mode und der immer wieder neuen Frage, welche Gestalt wir der Zeit geben.

Dass dabei auch erhebliche Summen im Spiel sind, zeigt eines der Spitzenlose: Ein Tourbillon „Pour le Mérite“ von A. Lange & Söhne wird mit 200.000 bis 500.000 Euro bewertet. Doch beginnen wir unsere Reise nicht beim teuersten Stück. Wir drehen die Uhr zurück.

2025 – Rolex Sky-Dweller: Zeit für eine globale Gegenwart

Am Anfang steht eine Uhr, deren Erscheinung unmittelbar in unserer Gegenwart verankert ist. Die Rolex Sky-Dweller Ref. 336235 von circa 2025 kombiniert ein 42 Millimeter großes Gehäuse aus 18-karätigem Everose-Gold mit einem schokoladenfarbenen Zifferblatt und schwarzem Armband. Ihre Schätzung liegt bei 33.000 bis 46.000 Euro.

Hinter dem vertrauten Erscheinungsbild einer modernen Luxusuhr verbirgt sich eine Konstruktion für eine Welt, in der Menschen Zeitzonen überschreiten. Eine exzentrische Zahlenscheibe zeigt eine zweite Zeitzone an, hinzu kommt ein Jahreskalender. Über die drehbare „Ring-Command“-Lünette werden die Funktionen eingestellt.

Die Uhr zeigt damit nicht nur Zeit. Sie organisiert Zeit – über Länder, Monate und Zeitzonen hinweg. Ein passender Ausgangspunkt für unsere Reise zurück.

Um 2000 – Cartier Panthère: Wenn die Uhr zur Skulptur wird

Extrem seltene Cartier Panthère Spangenuhr aus 18 Karat Gelbgold mit Pantherkopf und Ghost-Zifferblatt, um 2000
Extrem seltene Cartier Panthère Spangenuhr aus 18 Karat Gelbgold mit Pantherkopf und Ghost-Zifferblatt, um 2000 – Mit freundlicher Genehmigung von: uhrenmuser / Auktionen Dr. H. Crott

Nur wenige Jahre zurück, und die Vorstellung vom Zeitmesser verändert sich vollkommen. Bei der seltenen Cartier Panthère „La Calda“ tritt die eigentliche Uhr beinahe in den Hintergrund.

Aus 18-karätigem Gelbgold formt sich ein schweres Wickelarmband, das unmittelbar in einen plastisch modellierten Pantherkopf übergeht. Grüne Tsavorite bilden die Augen, schwarze Onyx-Akzente verstärken seinen Ausdruck. Daneben liegt das kleine vergoldete „Ghost“-Zifferblatt beinahe verborgen im Schmuckstück.

Die um 2000 entstandene Quarzuhr wird auf 30.000 bis 45.000 Euro geschätzt. Technisch ist sie wesentlich weniger kompliziert als manches andere Los dieser Auktion. Aber genau darin liegt ihr Reiz: Cartier macht aus dem Instrument zur Zeitmessung ein Stück tragbarer Skulptur.

1997 – A. Lange & Söhne: die Rückkehr nach Glashütte

A. Lange & Söhne Tourbillon Pour le Mérite Ref. 701.005 in Platin, limitiert auf 50 Exemplare, um 1997
A. Lange & Söhne Tourbillon Pour le Mérite Ref. 701.005 in Platin, limitiert auf 50 Exemplare, um 1997 – Mit freundlicher Genehmigung von: uhrenmuser / Auktionen Dr. H. Crott

Drei Jahre zurück – und wir begegnen einer vollkommen anderen Vorstellung von Luxus.

Das A. Lange & Söhne Tourbillon „Pour le Mérite“, Ref. 701.005, gehört zur frühen Geschichte der wiederbelebten Glashütter Manufaktur. Das Modell wurde 1994 mit der ersten Kollektion der neu gegründeten Lange Uhren GmbH vorgestellt. Die hier angebotene Platinversion entstand um 1997; die Platin-Ausführung des Tourbillon „Pour le Mérite“ war auf lediglich 50 Exemplare limitiert. 

Im 38,5 Millimeter großen Platingehäuse arbeitet das Handaufzugskaliber L902.0. Besonders bedeutend ist die Verbindung eines Tourbillons mit einem Kette-und-Schnecke-Antrieb – bei seiner Vorstellung eine Weltpremiere in einer Armbanduhr. Bei sechs Uhr öffnet sich das massiv silberne Zifferblatt und gibt den Blick auf den Tourbillonkäfig frei; kleine Sekunde und 36-Stunden-Gangreserve flankieren ihn.

Mit einer Schätzung von 200.000 bis 500.000 Euro ist sie zugleich das mit Abstand höchst bewertete unserer sieben ausgewählten Stücke.

Doch auf unserer Reise interessiert noch etwas anderes: Hier wird Uhrmacherei demonstrativ sichtbar. Mechanik soll nicht verborgen werden. Sie wird Teil der Ästhetik.

Um 1990 – Jaeger-LeCoultre Atmos: eine Uhr lebt von der Temperatur

Jaeger-LeCoultre Atmos Tischuhr mit Wajima-Lackierung und Perlmuttverzierungen, um 1990
Jaeger-LeCoultre Atmos Tischuhr mit Wajima-Lackierung und Perlmuttverzierungen, um 1990 – Mit freundlicher Genehmigung von: uhrenmuser / Auktionen Dr. H. Crott

Bei der Jaeger-LeCoultre Atmos wird selbst die Energiequelle poetisch.

Die Atmos benötigt keinen gewöhnlichen elektrischen Antrieb und kein regelmäßiges Aufziehen. Temperaturveränderungen wirken auf eine Kapsel im Inneren und liefern die Energie für das Uhrwerk. Zeit wird hier gewissermaßen durch Veränderungen ihrer Umgebung in Bewegung gehalten.

Das um 1990 entstandene Exemplar geht jedoch weit über die technische Besonderheit der Atmos hinaus. Das Gehäuse verbindet vergoldetes Messing mit Wajima-Lackierung und Perlmuttverzierungen. Auf seinen Flächen entfaltet sich eine Landschaft mit Mond, Bergen, Kiefern, Vögeln, Kindern, Musikern und Figuren in traditioneller Kleidung.

Japanisches Kunsthandwerk und Schweizer Uhrmacherei begegnen einander in einem Objekt, das ebenso gut als kleines Kunstwerk betrachtet werden kann. Die Schätzung beträgt 16.000 bis 30.000 Euro.

Um 1900 – ein Drache für den chinesischen Markt

Veuve C. Vacheron & Cie Pendant-Uhr The Dragon by Boucheron mit Cloisonné-Email und chinesischen Stundenmarkierungen, um 1900
Veuve C. Vacheron & Cie Pendant-Uhr The Dragon by Boucheron mit Cloisonné-Email und chinesischen Stundenmarkierungen, um 1900 – Mit freundlicher Genehmigung von: uhrenmuser / Auktionen Dr. H. Crott

Noch einmal rund neunzig Jahre zurück. Ein leuchtend gelbes Zifferblatt, ein Drache und ungewöhnliche chinesische Stundenmarkierungen lassen diese Uhr schon auf den ersten Blick aus dem Katalog herausragen.

Die außergewöhnliche Genfer Pendant-Uhr von Veuve C. Vacheron & Cie, „The Dragon by Boucheron“, entstand um 1900 für den chinesischen Markt. Im Zentrum steht das kunstvoll ausgeführte polychrome Drachenmotiv aus transluzidem Cloisonné-Email. Selbst die Zeiger greifen das Drachenmotiv auf.

Das Stück führt uns in eine Zeit, in der europäische Uhrmacherei und Pariser Juwelierskunst auf einen internationalen Luxusmarkt trafen. Die Schätzung von 12.000 bis 20.000 Euro ist innerhalb unserer Auswahl vergleichsweise moderat – optisch gehört die Uhr jedoch zu den ungewöhnlichsten Erscheinungen der Auktion.

Und wieder hat sich die Funktion der Uhr verschoben: Zeitmessung wird zur Bildfläche für Kunsthandwerk und kulturellen Austausch.

1797 – John Roger Arnold und die Suche nach Präzision

John Roger Arnold Taschenchronometer Of the Best Kind mit seltener Z-Unruh, London um 1797
John Roger Arnold Taschenchronometer Of the Best Kind mit seltener Z-Unruh, London um 1797 – Mit freundlicher Genehmigung von: uhrenmuser / Auktionen Dr. H. Crott

Dann wird es plötzlich stiller.

Kein Panther, kein Drache, kein farbiges Lackbild. Das große weiße Emailzifferblatt des John Roger Arnold Taschenchronometers „Of the Best Kind“ wirkt beinahe streng. Doch gerade hier liegt eine entscheidende Etappe unserer Reise.

Das um 1797 in England entstandene Taschenchronometer besitzt eine seltene Z-Unruh, Kette und Schnecke sowie eine Federchronometerhemmung nach John Arnold. Laut Auktionskatalog handelt es sich – abgesehen von einer nicht abschließend geklärten Nummer 2 – um das früheste bekannte Chronometer von John Roger Arnold. Angeboten wird es im originalen Zweideckel-Mahagoni-Deckwatch-Kasten.

„Of the Best Kind“ war dabei keine beiläufige Bezeichnung. Sie stand für besonders hochwertige und präzise Chronometer. Das vorliegende Stück trägt die Nummer 1677 und wird auf 40.000 bis 80.000 Euro geschätzt.

Nach all der dekorativen Pracht unserer vorherigen Stationen begegnen wir hier einer anderen Form von Schönheit: Präzision wird zum Luxus.

Um 1580 – als die Uhr noch Kunstkammerobjekt war

Seltene Augsburger oder Nürnberger Renaissance-Vasenuhr mit Stundenschlag und Stackfreed, Süddeutschland um 1580
Seltene Augsburger oder Nürnberger Renaissance-Vasenuhr mit Stundenschlag und Stackfreed, Süddeutschland um 1580 – Mit freundlicher Genehmigung von: uhrenmuser / Auktionen Dr. H. Crott

Und schließlich sind wir dort angekommen, wo unsere Reise vor fast 450 Jahren beginnt.

Die Augsburger oder Nürnberger Renaissance-Vasenuhr aus der Zeit um 1580 hat mit unserer heutigen Vorstellung einer Uhr kaum noch etwas gemeinsam. Ihr feuervergoldetes Gehäuse erhebt sich wie ein kostbares Gefäß. Voluten, Akanthusornamente, figürlicher Schmuck und durchbrochene Partien umgeben eine komplexe Mechanik.

Im Inneren arbeitet ein feuervergoldetes Vollplatinenwerk mit Stundenselbstschlag, Spindelhemmung, Stackfreed und Schweinsborstenregulierung. Besonders ungewöhnlich ist die Zeitanzeige: Statt eines klassischen Zifferblatts befindet sich oben eine Kugel mit umlaufendem Ziffernring, unterteilt in eine vergoldete Tages- und eine versilberte Nachtseite. Ein kleiner Putto, der auf einem Totenkopf liegt, weist mit seinem Stab die Stunde. Bekrönt wird die Uhr von Judith mit dem abgeschlagenen Haupt des Holofernes.

Das Stück befand sich einst in der Sammlung von Dr. Bodong in Frankfurt und wurde nach dessen Tod am 14. und 15. Juni 1938 bei Hans W. Lange in Berlin als Los 537 versteigert. Heute wird die Vasenuhr auf 20.000 bis 45.000 Euro geschätzt.

Uhren dieser Art waren nicht einfach Instrumente zur möglichst diskreten Anzeige der Uhrzeit. Sie vereinten Mechanik, Metallkunst, Skulptur und Gelehrsamkeit. Zeit wurde inszeniert.

A. Lange & Söhne – eine wiederentdeckte Rarität aus dem Jahr 1879

A. Lange & Söhne Minut Repeater, Glashütter Savonnette von 1879 mit Minutenrepetition, Datumsanzeige und asymmetrischem Emailzifferblatt, Los 484, Auktionen Dr. Crott.
A. Lange & Söhne Minut Repeater, Glashütter Savonnette von 1879 mit Minutenrepetition, Datumsanzeige und asymmetrischem Emailzifferblatt, Los 484, Auktionen Dr. Crott. – Mit freundlicher Genehmigung von: uhrenmuser / Auktionen Dr. H. Crott

Eine kleine Sensation ergänzt die 115. Auktion von Dr. Crott: Mit der A. Lange & Söhne Nr. 13400, gefertigt um 1879, erscheint eine außergewöhnlich seltene Glashütter Savonnette mit Minutenrepetition und Datumsanzeige. Die lange als verschollen geltende Taschenuhr gehört zu den frühesten Experimenten der Manufaktur mit dieser anspruchsvollen Komplikation. Besonders bemerkenswert ist ihr nahezu unberührter Erhaltungszustand: Das fein guillochierte Goldgehäuse, das makellose Emailzifferblatt mit seiner asymmetrischen Anordnung und das hervorragend erhaltene Uhrwerk lassen die Uhr wie eine Zeitkapsel aus dem 19. Jahrhundert erscheinen. Vermutlich für den spanischen Markt gefertigt, blieb sie dort über Generationen bewahrt. Schätzpreis: 30.000 bis 80.000 Euro.

Von der Kunstkammer ans Handgelenk – und wieder zurück

Zwischen der Renaissance-Vasenuhr von etwa 1580 und der Rolex Sky-Dweller von 2025 liegen rund 445 Jahre. Dazwischen verändern sich Technik, Materialien und Formen radikal. Die Uhr wandert vom repräsentativen Kunstkammerobjekt in die Tasche, von dort ans Handgelenk und wird schließlich wieder zur Skulptur, zum Schmuckstück oder zum demonstrativ sichtbaren mechanischen Kunstwerk.

Der Blick auf diese sieben Lose zeigt deshalb mehr als sieben Möglichkeiten, die Zeit abzulesen. Er zeigt, wie jede Epoche ihre eigene Vorstellung von Zeit gestaltet hat.

Vielleicht ist genau das der eigentliche Luxus einer bedeutenden Uhr: nicht nur möglichst genau zu sagen, wie spät es ist – sondern etwas darüber zu erzählen, wie Menschen zu ihrer Zeit über Zeit gedacht haben.

Auktionen Dr. Crott

Für Uhrensammler dürfte der Name keiner weiteren Vorstellung bedürfen: Auktionen Dr. Crott wurde 1975 von dem Uhrenspezialisten und Sammler Dr. Helmut Crott gegründet. Nach dessen Rückzug übernahm Stefan Muser 1993 das Auktionshaus und führt die auf hochwertige, seltene und historische Zeitmesser spezialisierte Tradition von Mannheim aus fort. Auch ältere Kataloge des Hauses nennen Stefan Muser ausdrücklich als Inhaber.

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