Faith Ringgold Sunflower Quilting Bee at Arles 1996 Farblithografie Frauen Sonnenblumen Quilt Szene
Faith Ringgold Sunflower Quilting Bee at Arles 1996 Farblithografie Frauen Sonnenblumen Quilt Szene – Mit freundlicher Genehmigung von: victoriamuseumua / Victoria and Albert Museum

Wann: 27.09.2025 - 27.09.2026

„Lasting Impressions: Women Printmakers 1900 – Now“ im Victoria and Albert Museum ist ein visuelles Statement von außergewöhnlicher Klarheit und Wucht – eine Ausstellung, die die Geschichte der Druckgrafik neu schreibt und lange übersehene Positionen mit Nachdruck ins Zentrum rückt.

Was sich hier entfaltet, ist keine klassische Ausstellung, sondern eine dichte, kraftvolle Erzählung über Druckgrafik, künstlerische Autorschaft und Sichtbarkeit von 1900 bis in die Gegenwart. Über mehr als ein Jahrhundert hinweg zeigt sich die Druckgrafik als Medium der Unabhängigkeit, der Verbreitung von Ideen und des Widerstands. Feine Linien, radikale Kontraste und leuchtende Farbflächen verdichten sich zu einem Panorama, das gleichermaßen kunsthistorisch relevant und hochaktuell wirkt.

Käthe Kollwitz Tod und Frau Radierung 1910 Frau umarmt Skelett Victoria and Albert Museum London
Käthe Kollwitz Tod und Frau Radierung 1910 Frau umarmt Skelett Victoria and Albert Museum London – Mit freundlicher Genehmigung von: victoriamuseumua / Victoria and Albert Museum

Die Auswahl von 25 Künstlerinnen ist präzise kuratiert und setzt klare Schwerpunkte innerhalb der modernen und zeitgenössischen Kunst. Käthe Kollwitz steht exemplarisch für eine existenzielle Bildsprache, die bis heute nichts von ihrer Intensität verloren hat. Ihre Arbeiten sind direkt, ungeschönt und von emotionaler Tiefe geprägt – Werke, die sich dem Betrachter unmittelbar einschreiben.

Dem gegenüber stehen Positionen wie jene von Faith Ringgold, deren Arbeiten soziale Realität, Identität und Geschichte miteinander verweben. Ihre farbstarken Kompositionen erweitern die klassische Druckgrafik um narrative Ebenen und machen sie zu einem Medium gesellschaftlicher Reflexion.

Niki de Saint Phalle Nana 1971 Siebdruck Tapete farbenfrohe Frauenfigur Pop Art Design
Niki de Saint Phalle Nana 1971 Siebdruck Tapete farbenfrohe Frauenfigur Pop Art Design – Mit freundlicher Genehmigung von: victoriamuseumua / Victoria and Albert Museum
Unübersehbar im Raum positioniert tritt Niki de Saint Phalle mit ihren ikonischen „Nana“-Darstellungen hervor, die mit kraftvollen Farben und klaren Formen eine eigenständige Bildsprache etablieren.** In der präsentierten Arbeit entfaltet sich eine rhythmisch wiederholte, nahezu ornamentale Komposition: Eine selbstbewusste, voluminöse Frauenfigur bewegt sich dynamisch durch ein farbintensives Gefüge aus floralen Motiven, Tieren, Symbolen und Alltagsfragmenten. Leuchtende Gelb-, Rosa-, Grün- und Blautöne stehen in starkem Kontrast zueinander und erzeugen eine visuelle Energie, die sich unmittelbar überträgt.

Die Figur wirkt nicht statisch, sondern in Bewegung – beinahe tanzend, getragen von einer spielerischen Leichtigkeit, die zugleich eine klare Haltung transportiert. Umgeben von Herzen, Schlüsseln, Vögeln und abstrakten Formen entsteht ein Bildraum, der zwischen Pop, Ornament und Erzählung oszilliert. Die Wiederholung des Motivs verstärkt diesen Eindruck und verleiht der Arbeit eine fast textile, tapetenartige Qualität, die den Übergang von Kunst in Design und Alltag bewusst mitdenkt.

Ihre Arbeiten verbinden Pop, Körperlichkeit und Selbstermächtigung und öffnen die Druckgrafik hin zu Design, Raum und öffentlicher Wahrnehmung. In diesem Kontext wirkt ihr Beitrag wie ein energetischer Impuls innerhalb der Ausstellung – unmittelbar, zugänglich und zugleich tief verankert in den Debatten ihrer Zeit.

Die Ausstellung macht deutlich, wie vielfältig die Techniken der Druckgrafik eingesetzt werden. Radierung, Lithografie, Siebdruck und experimentelle Verfahren stehen gleichberechtigt nebeneinander und zeigen die Entwicklung eines Mediums, das weit über reine Reproduktion hinausgeht. Druckgrafik wird hier als Instrument sichtbar – zur Verbreitung von Ideen, zur Formulierung von Kritik und zur Gestaltung von Identität.

Guerrilla Girls Do Women have to be naked to get into the Met Museum 1989 Poster feminist art
Guerrilla Girls Do Women have to be naked to get into the Met Museum 1989 Poster feminist art – Mit freundlicher Genehmigung von: victoriamuseumua / Victoria and Albert Museum

Besonders prägnant ist die Verbindung von Kunst und gesellschaftlichem Diskurs. Arbeiten der Guerrilla Girls greifen mit ironischer Schärfe in bestehende Strukturen ein und legen die Mechanismen des Kunstbetriebs offen. Ihre Plakate sind prägnante Beispiele feministischer Kunst, die sich unmittelbar einprägen und bis heute eine hohe Relevanz besitzen.

Gleichzeitig eröffnet die Ausstellung intime Einblicke in künstlerische Arbeitsprozesse. Werke von Laura Knight und Mary Annie Sloane zeigen Räume des Rückzugs, der Beobachtung und der Konzentration. Diese leisen Momente bilden einen bewussten Kontrast zu den politischen und aktivistischen Positionen und erweitern die Perspektive auf die Druckgrafik als persönliches Ausdrucksmittel.

Laura Knight Dressing Room No 1 1923 Radierung Aquatinta Frauen im Ankleidezimmer Szene
Mary Annie Sloane An Artist Working at her Press 1904 Radierung Künstlerin Druckwerkstatt London
Laura Knight Dressing Room No 1 1923 Radierung Aquatinta Frauen im Ankleidezimmer Szene • Mary Annie Sloane An Artist Working at her Press 1904 Radierung Künstlerin Druckwerkstatt London – Mit freundlicher Genehmigung von: victoriamuseumua / Victoria and Albert Museum

Die Gegenüberstellung von historischen und zeitgenössischen Arbeiten erzeugt eine klare Dynamik. Frühere Werke treten in direkten Dialog mit aktuellen Positionen und machen Kontinuitäten sichtbar, die sich über Generationen hinweg fortsetzen. Themen wie Körper, Identität, Arbeit und gesellschaftliche Rollen erscheinen dadurch in neuer Schärfe.

„Lasting Impressions: Women Printmakers 1900 – Now“ ist keine rückblickende Ausstellung, sondern eine präzise gesetzte Neupositionierung innerhalb der Kunstgeschichte. Sie zeigt, dass die Entwicklung der Druckgrafik ohne die Beiträge dieser Künstlerinnen nicht vollständig erzählt werden kann.

Gerade im Kontext aktueller Debatten um Repräsentation, Sichtbarkeit und Gleichberechtigung in der Kunst entfaltet die Ausstellung eine besondere Relevanz. Sie macht deutlich, dass Druckgrafik nicht nur ein historisches Medium ist, sondern ein aktives Werkzeug – klar, direkt und nachhaltig wirksam.

So wird „Lasting Impressions“ zu dem, was der Titel verspricht: eine Ausstellung, die bleibt – visuell, inhaltlich und im Gedächtnis

Tags: Druckgrafik, Käthe Kollwitz, Faith Ringgold, Guerrilla Girls, Moderne Kunst, Zeitgenössische Kunst, Frauen, Frauen in der Kunst, Niki de Saint-Phalle

Die Öffnungszeiten des Victoria and Albert Museum sind täglich von 10:00 bis 17:45 Uhr, freitags bis 22:00 Uhr, wobei einige Galerien bereits ab 17:45 Uhr schließen. Die Ausstellungsräume werden jeweils 30 Minuten vor Schließung geräumt.