Anselm Kiefer Nymphäum Gemälde mit goldenen Fensterstrukturen und überwucherter Stadtlandschaft
Anselm Kiefer Nymphäum Gemälde mit goldenen Fensterstrukturen und überwucherter Stadtlandschaft – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Paris Pantin

Wann: 25.04.2026 - 25.10.2026

Anselm Kiefer entfacht in Paris ein bildgewaltiges Nymphäum – eine Ausstellung, in der Mythos, Materie und Erinnerung zu monumentaler Intensität verschmelzen.

Mit Nymphäum verwandelt Thaddaeus Ropac Paris Pantin die Ausstellung in Paris in einen Ort zwischen antiker Erinnerung und zeitgenössischer Dringlichkeit. Vom 25. April bis 25. Oktober 2026 entfaltet sich ein neuer Werkzyklus, in dem Kiefer mehr als zwanzig monumentale Gemälde zu einem dichten, vielschichtigen Kosmos verdichtet – einem Gefüge, das sich zwischen Mythos und Gegenwart aufspannt.

Anselm Kiefer Paravent 2021–2025 mehrteiliges Gemälde mit Figurenfragmenten und dichten materialreichen Oberflächen
Anselm Kiefer Paravent 2021–2025 mehrteiliges Gemälde mit Figurenfragmenten und dichten materialreichen Oberflächen – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Paris Pantin

Kiefer greift auf die Welt der Nymphen zurück – jene mythischen Naturwesen der Antike – und überführt sie in eine Gegenwart, die von urbaner Struktur und historischer Schwere geprägt ist. Seine Bildräume oszillieren zwischen arkadischer Landschaft und moderner Stadtarchitektur. Goldene Fenster leuchten in strengen Rasterungen auf, die an byzantinische Mosaike erinnern und zugleich subtil an Der Kuss anklingen.

Anselm Kiefer Actaea 2021–2025 Gemälde mit liegender Figur im Wasser und vielschichtiger materialreicher Oberfläche
Anselm Kiefer Actaea 2021–2025 Gemälde mit liegender Figur im Wasser und vielschichtiger materialreicher Oberfläche – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Paris Pantin

Doch diese scheinbar stabilen Architekturen werden durchbrochen. Vegetative Formen, rankend und eruptiv, durchziehen die Oberflächen, als würde sich die Natur ihren Raum zurückerobern. In dieser Spannung entfaltet sich ein zentrales Motiv Kiefers: Zerstörung und Erneuerung als unauflöslicher Kreislauf, eingeschrieben in die Geschichte Europas.

Monumentale Werke wie Die Oreaden (2025) übersetzen klassische Bildvorlagen – etwa von William Bouguereau – in düstere, beinahe apokalyptische Landschaften. Die Nymphen erscheinen hier nicht mehr als idealisierte Wesen, sondern als fragile Erscheinungen in einer verletzten Welt.

Anselm Kiefer Die Oreaden 2025 monumentales Gemälde mit Frauenköpfen und goldener Berglandschaft
Anselm Kiefer Die Oreaden 2025 monumentales Gemälde mit Frauenköpfen und goldener Berglandschaft – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Paris Pantin

Material wird bei Kiefer selbst zum Träger von Bedeutung. Stroh, Asche, Kreide, Gold und elektrolytische Rückstände verdichten sich zu Oberflächen, die wie geologische Schichten wirken. Diese Bilder sind nicht einfach gemalt – sie scheinen gewachsen, als hätten sie sich aus der Zeit selbst herausgebildet.

„Alchemy is a symbol for the artist… you have to destroy and then recreate.“

Diese alchemistische Transformation durchzieht die gesamte Ausstellung. In Werken wie Daphne (2025) oder Carya (2025) erscheinen die Nymphen im Zustand der Metamorphose – halb Figur, halb Natur. Gesichter tauchen aus Blättern und Strukturen auf, als würden sie sich erst im Moment des Betrachtens formen.

Anselm Kiefer Nymphäum 2025 Gemälde mit archaischer Architektur oxidierten Oberflächen und materialreicher Textur
Anselm Kiefer Merope 2022–2025 Gemälde mit weiblichem Kopf in dunkler Landschaft und vielschichtiger Materialstruktur
Anselm Kiefer Nymphäum 2025 Gemälde mit archaischer Architektur oxidierten Oberflächen und materialreicher Textur • Anselm Kiefer Merope 2022–2025 Gemälde mit weiblichem Kopf in dunkler Landschaft und vielschichtiger Materialstruktur – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Paris Pantin

So wird Landschaft zur inneren Topografie, zur „Seelenlandschaft“, in der Erinnerung, Mythos und Materie ineinanderfließen. Kiefer gelingt es, die Grenze zwischen Figur und Grund aufzulösen – und damit eine Bildwelt zu schaffen, die gleichermaßen archaisch wie gegenwärtig wirkt.

Mit Nymphäum zeigt Anselm Kiefer einmal mehr, dass Malerei kein Abbild ist, sondern ein Ort der Verdichtung – ein Raum, in dem Geschichte sichtbar, Natur spürbar und Zeit erfahrbar wird.

Tags: Anselm Kiefer, Zeitgenössische Kunst, Malerei, Deutsche Kunst, Mythologie, Nymphen, Kunst und Natur, Mixed Media, Moderne Kunst, Kunstgeschichte, Joseph Beuys

Dienstag bis Samstag, 10:00 – 19:00 Uhr