Yoshitomo Nara in seinem Atelier 2026 mit großformatigen Gemälden – Ausstellung bei David Zwirner in New York
Yoshitomo Nara in his studio, 2026. Photograph: Keita Saiki, Artwork: Yoshitomo Nara – Mit freundlicher Genehmigung von: davidzwirner.com / David Zwirner

Wann: 29.10.2026 - 12.12.2026

Yoshitomo Nara bei David Zwirner – Das Kind, das in seiner Kunst weiterlebt

Vom 29. Oktober bis 12. Dezember 2026 präsentiert David Zwirner in New York eine Ausstellung des japanischen Künstlers Yoshitomo Nara. Neue Gemälde, Zeichnungen und monumentale Skulpturen begegnen frühen Arbeiten aus den 1980er-Jahren. Es ist seine erste Einzelausstellung bei David Zwirner und seine erste große Einzelausstellung in New York seit nahezu einem Jahrzehnt.

Warum malt Yoshitomo Nara immer wieder Kinder?

Wer vor einem Gemälde von Yoshitomo Nara steht, begegnet häufig einem Kind mit übergroßem Kopf und weit geöffneten Augen. Manchmal wirkt es unschuldig und verletzlich, manchmal trotzig, wütend oder in sich gekehrt.

Doch diese Figuren sind weit mehr als Kinderporträts. Nara versteht sie als eine Form des Selbstporträts. In ihnen spiegeln sich Erinnerungen, Gefühle und Erfahrungen, die ihn seit seiner Kindheit begleiten.

Der 1959 im Norden Japans geborene Künstler wuchs in einer ländlichen Umgebung auf. Seine Kindheit war von Einsamkeit geprägt. Natur, Märchen und die Musik, die er über ein selbst gebautes Radio entdeckte, wurden zu wichtigen Begleitern seiner frühen Jahre.

Besonders Punk- und Rockmusik beeinflussten später seine künstlerische Ausdrucksweise. Ihre Unmittelbarkeit und ihr rebellischer Geist finden sich im trotzigen Blick vieler seiner Figuren wieder.

In Naras Kunst begegnen sich das Kind, das er einmal war, und der Erwachsene, der er heute ist.

Als der Erwachsene wieder zum Kind wurde

Als Yoshitomo Nara 1988 nach Deutschland zog, um an der Kunstakademie Düsseldorf zu studieren, sprach er zunächst kaum Deutsch. In einer fremden Umgebung konnte er seine Gedanken und Gefühle nicht so ausdrücken, wie er es gewohnt war. Die Malerei und das Zeichnen wurden für ihn zu einer Sprache, die keiner Übersetzung bedurfte.

Vielleicht fühlte er sich damals selbst wieder wie ein Kind, das die Welt um sich herum zwar wahrnimmt, aber noch nicht über die Worte verfügt, um sich verständlich zu machen. Ein erwachsener Mann, der plötzlich auf eine andere Form der Kommunikation angewiesen war.

Vor diesem Hintergrund erhalten seine kindlichen Figuren eine zusätzliche Bedeutung. Ihre großen Augen, ihre Verletzlichkeit und ihr manchmal trotziger Blick lassen sich auch als Ausdruck jener Erfahrung betrachten, sich in einer fremden Welt behaupten zu müssen, ohne sich mit Worten verständigen zu können.

Seine Bilder sprechen dort, wo ihm die Worte fehlten.

Vielleicht liegt gerade darin die besondere Wirkung seiner Kunst. Die Figuren erzählen keine eindeutigen Geschichten. Ihre Blicke lassen Raum für eigene Erinnerungen und Empfindungen. Was zunächst wie ein einfaches Kinderporträt erscheint, kann beim längeren Betrachten Gefühle von Einsamkeit, Unsicherheit, Widerstand oder Sehnsucht hervorrufen.

Neue Gemälde und monumentale Skulpturen in New York

Die Ausstellung bei David Zwirner zeigt, wie Nara seine unverwechselbare Bildsprache über vier Jahrzehnte weiterentwickelt hat.

In seinen neuen Gemälden aus dem Jahr 2026 erscheinen die vertrauten Gesichter in zurückhaltenderen, fein abgestimmten Farben. Weiche Übergänge und übereinandergelegte Farbschichten verleihen den Figuren eine neue atmosphärische Tiefe. Einige der dargestellten Kinder blicken mit tränengefüllten Augen aus den Bildern.

Neben den Gemälden und Zeichnungen präsentiert die Galerie dreizehn monumentale Bronzeköpfe aus dem Jahr 2024. Sie entstanden nach kleinen, von Hand modellierten Tonfiguren, die Nara auf das Zehnfache ihrer ursprünglichen Größe vergrößerte.

Die weiß beschichteten Skulpturen erinnern an schneebedeckte Formen aus den Wintern seiner Kindheit in Nordjapan. Ihre einfachen Gesichtszüge erhalten durch die monumentale Größe eine neue Präsenz und laden zu einer stillen Begegnung ein.

Eine Kunst, in der persönliche Erinnerungen weiterleben

Yoshitomo Naras Figuren haben sich im Laufe der Jahrzehnte verändert, doch ihr emotionaler Ursprung bleibt erkennbar. Sie sind Ausdruck einer persönlichen Geschichte, die zugleich Raum für die Erfahrungen anderer Menschen eröffnet.

Vielleicht berühren uns seine Bilder gerade deshalb: Weil wir in diesen scheinbar einfachen Kindergesichtern manchmal etwas von uns selbst wiederfinden.

Tags: Yoshitomo Nara, Zeitgenössische Kunst, Japanische Kunst, Malerei, Zeichnung, Skulpturen, Bronzekunst, Kunstmarkt

Dienstag bis Samstag: 10:00–18:00 Uhr