Von 1998 bis 2004 lehrte er als Professor für Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.
In späteren Jahren realisierte er internationale Projekte mit gesellschaftlich marginalisierten Gruppen, unter anderem in den USA, Australien, Indien, Myanmar und Syrien.
Bedeutende Retrospektiven würdigten sein Schaffen, darunter 2016 eine Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt und 2020–2021 die umfassende Präsentation „ULAY WAS HERE“ im Stedelijk Museum Amsterdam.
Ulay starb 2020 in Ljubljana.
Die Berliner Ausstellung rückt nun insbesondere jene Werkphasen in den Mittelpunkt, in denen er die Grundlagen seiner künstlerischen Praxis entwickelte und gemeinsam mit Marina Abramović die Geschichte der Performancekunst nachhaltig beeinflusste.
Die Neue Nationalgalerie als Schauplatz einer kunsthistorischen Rückkehr
Die Ausstellung „Ulay, Ulay & Abramović“ wird im unteren Geschoss der von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Neuen Nationalgalerie präsentiert.
Zwei Räume widmen sich zunächst Ulays eigenständigem Frühwerk, bevor die Ausstellung zu den gemeinsam mit Marina Abramović entwickelten Arbeiten übergeht.
Diese Gegenüberstellung ermöglicht es, Ulays künstlerische Entwicklung unabhängig von seiner berühmten Partnerschaft zu betrachten und zugleich die Bedeutung ihrer Zusammenarbeit für die internationale Performancekunst zu verstehen.
Zu sehen sind Fotografien, Filme, Videos, Skulpturen, Zeichnungen, Skizzen und Briefe. Die historischen Dokumente vermitteln nicht nur die Performances selbst, sondern auch die künstlerischen Überlegungen und Arbeitsprozesse, aus denen sie entstanden.
Die Präsentation wurde von der Neuen Nationalgalerie anlässlich des 50. Jahrestages von „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“ organisiert. Sie umfasst außerdem ausgewählte Werke und Materialien aus „ART VITAL – 12 Years of Ulay / Marina Abramović“, einer ursprünglich für die Cukrarna Gallery in Ljubljana konzipierten Ausstellung.
Kuratiert wird die Berliner Präsentation von Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, gemeinsam mit Ricarda Bergmann und Alenka Gregorič. Die kuratorische Assistenz übernimmt Nikola Richolt.
Kunst zwischen gesellschaftlicher Intervention und persönlicher Grenzerfahrung
Die Ausstellung macht deutlich, dass Ulays Werk weit über seine Zusammenarbeit mit Marina Abramović hinausreicht.
Seine künstlerischen Interventionen hinterfragten die Autorität kultureller Institutionen, seine fotografischen Experimente stellten die Beständigkeit des Bildes infrage, und seine Selbstporträts untersuchten die Veränderbarkeit menschlicher Identität.
Gemeinsam mit Marina Abramović entwickelte er daraus eine Performancekunst, in der körperliche Erfahrung, zwischenmenschliche Beziehungen und die Beteiligung des Publikums zu zentralen Ausdrucksmitteln wurden.
Fünfzig Jahre nach dem aufsehenerregenden Eingriff in die Sammlung der Neuen Nationalgalerie kehrt Ulays Werk an einen Ort zurück, an dem er einst die Grenzen zwischen Museum, Gesellschaft und künstlerischer Freiheit radikal infrage stellte.
Die Berliner Ausstellung bietet damit nicht nur einen Rückblick auf eine prägende Epoche der internationalen Konzept- und Performancekunst. Sie eröffnet zugleich eine neue Perspektive auf einen Künstler, dessen Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und kultureller Teilhabe bis heute aktuell geblieben sind.
Kuratoren: Klaus Biesenbach, Ricarda Bergmann und Alenka Gregorič