Ulay, Irritation – There is a Criminal Touch to Art, 1976, film stills, Neue Nationalgalerie, Berlin © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay, Irritation – There is a Criminal Touch to Art, 1976, film stills, Neue Nationalgalerie, Berlin © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

Wann: 28.11.2026 - 02.05.2027

Am 28. November 2026 eröffnet die Neue Nationalgalerie in Berlin die Ausstellung „Ulay, Ulay & Abramović“, die bis zum 2. Mai 2027 einen umfassenden Einblick in das Schaffen des deutschen Konzept- und Performancekünstlers Ulay (1943–2020) und seine zwölfjährige Zusammenarbeit mit Marina Abramović bietet. Anlass ist der 50. Jahrestag einer der aufsehenerregendsten Kunstaktionen der 1970er-Jahre: Am 12. Dezember 1976 entwendete Ulay Carl Spitzwegs berühmtes Gemälde „Der arme Poet“ aus der Neuen Nationalgalerie und brachte es in die Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie nach Berlin-Kreuzberg. Die Ausstellung vereint historische Fotografien, Filme, Polaroids, Zeichnungen und Dokumente sowie bedeutende Performances und beleuchtet die grundlegenden Fragen nach Identität, gesellschaftlicher Zugehörigkeit, künstlerischer Freiheit und den Grenzen zwischen Kunst und Leben.

Der Diebstahl des „Armen Poeten“ – Eine Kunstaktion erschüttert Berlin

Am 12. Dezember 1976 betrat Ulay die Neue Nationalgalerie in West-Berlin und entfernte Carl Spitzwegs Gemälde „Der arme Poet“ (1839) aus dem Museum. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Kunstdiebstahl erscheinen musste, war eine sorgfältig konzipierte künstlerische Intervention.

Unter dem Titel „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“ transportierte Ulay das Gemälde aus dem institutionellen Schutzraum des Museums in eine private Wohnung nach Kreuzberg. Dort hing er es an die Wand einer türkischen Gastarbeiterfamilie.

Ulay, Irritation – There is a Criminal Touch to Art, 1976, film stills, Neue Nationalgalerie, Berlin © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay, Irritation – There is a Criminal Touch to Art, 1976, film stills, Neue Nationalgalerie, Berlin © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay, Irritation – There is a Criminal Touch to Art, 1976, film stills, Neue Nationalgalerie, Berlin © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 • Ulay, Irritation – There is a Criminal Touch to Art, 1976, film stills, Neue Nationalgalerie, Berlin © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

Mit dieser Handlung stellte der Künstler die gesellschaftliche Funktion des Museums ebenso infrage wie die Verteilung kultureller Privilegien. Wem gehört Kunst? Wer darf sie besitzen, betrachten und interpretieren? Und welche Bevölkerungsgruppen werden durch kulturelle Institutionen tatsächlich repräsentiert?

Die Aktion erhielt ihre besondere Brisanz durch den historischen Kontext. Das West-Berlin der 1970er-Jahre war von gesellschaftlichen Veränderungen, Migration und politischen Auseinandersetzungen geprägt. Indem Ulay ein ikonisches Werk der deutschen Malerei aus dem Museum entwendete und in das Lebensumfeld einer migrantischen Familie brachte, machte er die unsichtbaren Grenzen zwischen kultureller Repräsentation und gesellschaftlichem Ausschluss sichtbar.

Ulay, Irritation – There is a Criminal Touch to Art, 1976, film stills, Neue Nationalgalerie, Berlin © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay, Irritation – There is a Criminal Touch to Art, 1976, film stills, Neue Nationalgalerie, Berlin © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
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Die fotografische und filmische Dokumentation der Aktion bildet einen zentralen Bestandteil der Berliner Ausstellung. Fünfzig Jahre später kehrt Ulays künstlerische Intervention damit an ihren ursprünglichen Schauplatz zurück.

Eine besondere kunsthistorische Gegenüberstellung entsteht durch die Präsentation einer Version von Carl Spitzwegs „Der arme Poet“, die als Leihgabe aus dem Grohmann Museum in Milwaukee nach Berlin kommt.

Ulay – Identität, Fotografie und die Verwandlung des Selbst

Ulay wurde 1943 als Frank Uwe Laysiepen in Solingen geboren. Nach einer Ausbildung zum Maschinenbauingenieur studierte er Fotografie an den Kölner Werkschulen. 1968 zog er nach Amsterdam, wo er mit dem Medium Polaroid zu experimentieren begann.

Seine frühen Arbeiten entstanden in einer Zeit, in der traditionelle Vorstellungen von Geschlecht, Identität und gesellschaftlicher Rolle zunehmend hinterfragt wurden. Ulay verstand Fotografie nicht ausschließlich als Mittel zur Dokumentation der Wirklichkeit, sondern als künstlerisches Instrument, mit dem sich Identität inszenieren, verändern und neu zusammensetzen ließ.

Besonders deutlich wird dies in der Werkserie „S’he“ (1973–1974). In intimen Selbstporträts untersuchte Ulay die Grenzen zwischen männlicher und weiblicher Identität. Durch Kleidung, Schminke, Frisuren und körperliche Inszenierungen schuf er Bilder, in denen sich vermeintlich eindeutige Geschlechterzuordnungen auflösen.

Ulay, S’HE, Auto-Polaroid, 1973–74 © Ulay. Courtesy Lena Pislak, private collection, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay, S’HE, Auto-Polaroid, 1973–74 © Ulay. Courtesy Lena Pislak, private collection, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay, S’HE, Auto-Polaroid, 1973–74 © Ulay. Courtesy Lena Pislak, private collection, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 • Ulay, S’HE, Auto-Polaroid, 1973–74 © Ulay. Courtesy Lena Pislak, private collection, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

Die Fotografien zeigen keinen festgelegten Zustand, sondern einen Prozess der Transformation. Das eigene Gesicht und der eigene Körper werden zum Material einer künstlerischen Untersuchung, die gesellschaftliche Zuschreibungen sichtbar macht und zugleich überschreitet.

Diese Beschäftigung mit der Veränderbarkeit des Selbst bildete eine wesentliche Grundlage für Ulays spätere Performancekunst.

Wenn Fotografien verschwinden – Ulays experimentelle Bildwelten

Mit der Arbeit „FOTOTOT“ aus dem Jahr 1976 stellte Ulay eine grundlegende Eigenschaft der Fotografie infrage: ihren Anspruch, einen Augenblick dauerhaft festzuhalten.

Für diese experimentelle Arbeit verwendete er unbelichtete beziehungsweise nicht fixierte Fotografien, deren Bildinformationen unter dem Einfluss des Lichts allmählich verschwanden.

Ulay, FOTOTOT, 1976, Galerie Beyer / de Appel archive © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay, FOTOTOT, 1976, Galerie Beyer / de Appel archive © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

Damit kehrte Ulay die traditionelle Funktion der Fotografie um. Anstatt Erinnerung zu bewahren, wurde das fotografische Bild selbst zum vergänglichen Objekt.

Die fortschreitende Veränderung der Bilder machte Zeit zu einem aktiven Bestandteil des Kunstwerks. Was zunächst sichtbar war, entzog sich nach und nach der Betrachtung.

Ulays fotografische Experimente überschritten damit die Grenzen eines Mediums, das lange Zeit vor allem mit Dokumentation, Erinnerung und objektiver Wirklichkeitswiedergabe verbunden wurde.

Ulay und Marina Abramović – Zwölf Jahre gemeinsamer Performancekunst

1975 begegnete Ulay in Amsterdam der serbischen Künstlerin Marina Abramović, die 1946 in Belgrad geboren wurde. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine der einflussreichsten künstlerischen Partnerschaften der Performancegeschichte.

Zwischen 1976 und 1988 arbeiteten beide Künstler eng zusammen. Ihre Beziehung verband persönliche Nähe mit einer radikalen künstlerischen Praxis, in der der menschliche Körper zum wichtigsten Ausdrucksmittel wurde.

Anstelle traditioneller Kunstobjekte entstanden Performances, die körperliche Präsenz, Wiederholung, Ausdauer, Vertrauen und Verletzlichkeit in den Mittelpunkt stellten.

Dabei untersuchten Ulay und Abramović nicht nur die Möglichkeiten des eigenen Körpers, sondern auch die Beziehung zwischen zwei Menschen. Ihre gemeinsamen Arbeiten thematisierten Nähe und Distanz, Abhängigkeit und Autonomie sowie die Grenzen individueller Identität.

Die Zusammenarbeit führte zu internationalen Auftritten, darunter Beteiligungen an der documenta 6, 7 und 8.

„Relation in Space“ – Die Begegnung zweier Körper

Eine der frühesten gemeinsamen Performances war „Relation in Space“, die 1976 im Rahmen der 38. Biennale von Venedig aufgeführt wurde.

Ulay / Marina Abramović, Relation in Space, Performance, July 1976, 58 minutes, XXXVIII Biennale, Giudecca, Venice © Ulay and Marina Abramović, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay / Marina Abramović, Relation in Space, Performance, July 1976, 58 minutes, XXXVIII Biennale, Giudecca, Venice © Ulay and Marina Abramović, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

In dieser Arbeit bewegten sich Ulay und Marina Abramović wiederholt aufeinander zu und stießen mit ihren Körpern zusammen.

Die körperliche Begegnung wurde zum Ausdruck einer Beziehung, die sich durch Wiederholung, Energie und gegenseitige Präsenz entwickelte.

Die Performance verzichtete auf eine klassische Erzählung. Stattdessen entstand ihre Bedeutung aus der unmittelbaren Erfahrung von Bewegung, Kontakt und körperlicher Belastung.

Mit „Relation in Space“ legten die beiden Künstler einen wesentlichen Grundstein für ihre spätere Zusammenarbeit, in der sie immer wieder die Grenzen zwischen persönlicher Beziehung und öffentlicher künstlerischer Handlung untersuchten.

„Imponderabilia“ – Das Publikum wird Teil des Kunstwerks

1977 entwickelten Ulay und Marina Abramović mit „Imponderabilia“ eine Performance, die das Verhältnis zwischen Kunstwerk und Publikum grundlegend veränderte.

Ulay / Marina Abramović, Imponderabilia, Performance, 1977, 90", Galleria Communale d’Arte Moderna, Bologna Photo: Giovanna del Magro, © Ulay / Marina Abramović, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay / Marina Abramović, Imponderabilia, Performance, 1977, 90", Galleria Communale d’Arte Moderna, Bologna Photo: Giovanna del Magro, © Ulay / Marina Abramović, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

Die beiden Künstler standen nackt einander zugewandt in einem schmalen Eingang. Besucherinnen und Besucher mussten zwischen ihren Körpern hindurchgehen, um den Raum zu betreten.

Damit wurden die Betrachtenden selbst zu Beteiligten der künstlerischen Handlung.

Die Performance konfrontierte das Publikum mit körperlicher Nähe, Intimität und gesellschaftlichen Konventionen. Jeder Durchgang erforderte eine persönliche Entscheidung und machte die eigene Reaktion zum Bestandteil des Kunstwerks.

„Imponderabilia“ gehört heute zu den bekanntesten Arbeiten der Performancekunst des 20. Jahrhunderts.

In der Neuen Nationalgalerie wird die Performance während der Ausstellung täglich von 15 bis 16.30 Uhr live aufgeführt.

„Rest Energy“ – Vertrauen als existenzielle Grenzerfahrung

In der Performance „Rest Energy“ aus dem Jahr 1980 verdichteten Ulay und Marina Abramović das Thema gegenseitigen Vertrauens zu einer unmittelbar bedrohlichen Situation.

Ulay / Marina Abramović, Rest Energy, Performance for Video, 1980, 4 minutes, ROSC' 80, Dublin © Ulay / Marina Abramović, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay / Marina Abramović, Rest Energy, Performance for Video, 1980, 4 minutes, ROSC' 80, Dublin © Ulay / Marina Abramović, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

Beide hielten einen gespannten Bogen, dessen Pfeil auf Abramovićs Herz gerichtet war.

Die Stabilität dieser Konstellation beruhte ausschließlich auf dem körperlichen Gleichgewicht und der gegenseitigen Kontrolle der beiden Künstler.

Schon eine geringe Veränderung ihrer Bewegungen hätte die Situation gefährlich werden lassen können.

Die Arbeit machte Vertrauen zu einer existenziellen Erfahrung. Zugleich zeigte sie, wie eng Nähe, Abhängigkeit und Verletzlichkeit miteinander verbunden sein können.

„Rest Energy“ zählt zu den eindringlichsten Beispielen dafür, wie Ulay und Abramović körperliche Handlungen in Bilder von großer psychologischer und emotionaler Intensität verwandelten.

„AAA-AAA“ – Stimme, Nähe und Konfrontation

Ulay / Marina Abramović, AAA-AAA, Performance for television, 1978, 15', RTB Television Studio, Liège, Belgium © Ulay / Marina Abramović, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ulay / Marina Abramović, AAA-AAA, Performance for television, 1978, 15', RTB Television Studio, Liège, Belgium © Ulay / Marina Abramović, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

Ulay und Marina Abramović stehen sich unmittelbar gegenüber und erzeugen wiederholt Laute, die sich im Verlauf der Performance zu einer intensiven stimmlichen Konfrontation steigern.

Ihre Stimmen werden zu körperlichen Ausdrucksmitteln. Die Begegnung ist zugleich Kommunikation, Wettbewerb und gegenseitige Herausforderung.

Die Arbeit macht deutlich, dass Sprache nicht allein durch Worte entsteht. Auch Atem, Lautstärke, Rhythmus und körperliche Präsenz können Ausdruck zwischenmenschlicher Beziehungen sein.

„The Lovers“ – Abschied auf der Chinesischen Mauer

1988 endete die zwölfjährige künstlerische und persönliche Partnerschaft von Ulay und Marina Abramović mit einer außergewöhnlichen Performance.

Marina Abramović / Ulay, The Lovers, Performance, March-June, 1988, 90 days, The Great Wall of China © Marina Abramović and Ulay, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Marina Abramović / Ulay, The Lovers, Performance, March-June, 1988, 90 days, The Great Wall of China © Marina Abramović and Ulay, Courtesy of the Marina Abramović Archives, VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

Für „The Lovers“ begaben sich beide auf eine 90-tägige Reise entlang der Chinesischen Mauer.

Die monumentale Landschaft wurde zum Schauplatz eines Abschieds, der zugleich das Ende einer der bedeutendsten Kooperationen der internationalen Performancekunst markierte.

Die gemeinsame künstlerische Praxis, die über Jahre hinweg von körperlicher Nähe, gegenseitiger Abhängigkeit und dem Überschreiten persönlicher Grenzen geprägt gewesen war, fand ihren Abschluss in einer räumlichen Trennung.

„The Lovers“ verbindet die Dimension einer körperlich anspruchsvollen Reise mit der emotionalen Bedeutung des Abschieds.

Die Performance steht damit beispielhaft für die besondere Verbindung von Kunst und Leben, die das Werk von Ulay und Marina Abramović geprägt hat.

Zwei eigenständige Künstlerpersönlichkeiten

Obwohl die Zusammenarbeit mit Marina Abramović Ulays internationale Bekanntheit wesentlich prägte, entwickelte er bereits vor ihrer Begegnung eine eigenständige künstlerische Sprache.

Seine frühen Polaroids, Selbstinszenierungen und fotografischen Experimente zählen zu den wichtigen Beiträgen zur Konzeptkunst der 1970er-Jahre.

Nach der Trennung von Abramović im Jahr 1988 setzte Ulay seine künstlerische Arbeit unabhängig fort. Dabei beschäftigte er sich weiterhin mit Fragen der Identität, gesellschaftlicher Zugehörigkeit und den Möglichkeiten partizipativer Kunst.

Ulay, 1991 © Ulay. Courtesy ULAY Foundation
Ulay, 1991 © Ulay. Courtesy ULAY Foundation – Mit freundlicher Genehmigung von: smbspkberlin / Staatliche Museen zu Berlin

Von 1998 bis 2004 lehrte er als Professor für Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

In späteren Jahren realisierte er internationale Projekte mit gesellschaftlich marginalisierten Gruppen, unter anderem in den USA, Australien, Indien, Myanmar und Syrien.

Bedeutende Retrospektiven würdigten sein Schaffen, darunter 2016 eine Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt und 2020–2021 die umfassende Präsentation „ULAY WAS HERE“ im Stedelijk Museum Amsterdam.

Ulay starb 2020 in Ljubljana.

Die Berliner Ausstellung rückt nun insbesondere jene Werkphasen in den Mittelpunkt, in denen er die Grundlagen seiner künstlerischen Praxis entwickelte und gemeinsam mit Marina Abramović die Geschichte der Performancekunst nachhaltig beeinflusste.

Die Neue Nationalgalerie als Schauplatz einer kunsthistorischen Rückkehr

Die Ausstellung „Ulay, Ulay & Abramović“ wird im unteren Geschoss der von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Neuen Nationalgalerie präsentiert.

Zwei Räume widmen sich zunächst Ulays eigenständigem Frühwerk, bevor die Ausstellung zu den gemeinsam mit Marina Abramović entwickelten Arbeiten übergeht.

Diese Gegenüberstellung ermöglicht es, Ulays künstlerische Entwicklung unabhängig von seiner berühmten Partnerschaft zu betrachten und zugleich die Bedeutung ihrer Zusammenarbeit für die internationale Performancekunst zu verstehen.

Zu sehen sind Fotografien, Filme, Videos, Skulpturen, Zeichnungen, Skizzen und Briefe. Die historischen Dokumente vermitteln nicht nur die Performances selbst, sondern auch die künstlerischen Überlegungen und Arbeitsprozesse, aus denen sie entstanden.

Die Präsentation wurde von der Neuen Nationalgalerie anlässlich des 50. Jahrestages von „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“ organisiert. Sie umfasst außerdem ausgewählte Werke und Materialien aus „ART VITAL – 12 Years of Ulay / Marina Abramović“, einer ursprünglich für die Cukrarna Gallery in Ljubljana konzipierten Ausstellung.

Kuratiert wird die Berliner Präsentation von Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, gemeinsam mit Ricarda Bergmann und Alenka Gregorič. Die kuratorische Assistenz übernimmt Nikola Richolt.

Kunst zwischen gesellschaftlicher Intervention und persönlicher Grenzerfahrung

Die Ausstellung macht deutlich, dass Ulays Werk weit über seine Zusammenarbeit mit Marina Abramović hinausreicht.

Seine künstlerischen Interventionen hinterfragten die Autorität kultureller Institutionen, seine fotografischen Experimente stellten die Beständigkeit des Bildes infrage, und seine Selbstporträts untersuchten die Veränderbarkeit menschlicher Identität.

Gemeinsam mit Marina Abramović entwickelte er daraus eine Performancekunst, in der körperliche Erfahrung, zwischenmenschliche Beziehungen und die Beteiligung des Publikums zu zentralen Ausdrucksmitteln wurden.

Fünfzig Jahre nach dem aufsehenerregenden Eingriff in die Sammlung der Neuen Nationalgalerie kehrt Ulays Werk an einen Ort zurück, an dem er einst die Grenzen zwischen Museum, Gesellschaft und künstlerischer Freiheit radikal infrage stellte.

Die Berliner Ausstellung bietet damit nicht nur einen Rückblick auf eine prägende Epoche der internationalen Konzept- und Performancekunst. Sie eröffnet zugleich eine neue Perspektive auf einen Künstler, dessen Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und kultureller Teilhabe bis heute aktuell geblieben sind.

 

Kuratoren: Klaus Biesenbach, Ricarda Bergmann und Alenka Gregorič

Tags: Film, Fotografie, Performance Kunst, Konzeptkunst, Carl Spitzweg, Polaroids, Fotokunst

Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin

Öffnungszeiten:
Dienstag und Mittwoch: 10–18 Uhr
Donnerstag: 10–20 Uhr
Freitag bis Sonntag: 10–18 Uhr