Max Pechstein, Das Paar (Interieur), 1921, Kunstmuseum Bochum
Max Pechstein, Das Paar (Interieur), 1921, Kunstmuseum Bochum – Mit freundlicher Genehmigung von: buceriuskunstforum / Bucerius Kunst Forum

Wann: 11.09.2026 - 29.03.2027

Mit der Ausstellung „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler in Deutschland“ widmet sich das Bucerius Kunst Forum Hamburg ab dem 11. September 2026 einem lange verdrängten Kapitel der deutschen Kunst- und Kulturgeschichte. Rund 100 Werke der klassischen Moderne erzählen von bedeutenden jüdischen Kunstsammlern, ihrem Engagement für die moderne Kunst und den Schicksalen ihrer während der Zeit des Nationalsozialismus zerschlagenen Kollektionen.

Paul Cezanne, Montagne Sainte-Victoire, von Gardanne aus gesehen, 1892-95, Collection of the Yokohama Museum of Art
Paul Cezanne, Montagne Sainte-Victoire, von Gardanne aus gesehen, 1892-95, Collection of the Yokohama Museum of Art – Mit freundlicher Genehmigung von: buceriuskunstforum / Bucerius Kunst Forum

Die Ausstellung Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland rekonstruiert fünfzehn bedeutende Sammlungen moderner Kunst von deutschen Jüdinnen und Juden vor 1945 und führt deren heute weltweit verstreuten Werke wieder zusammen. Die Schau präsentiert nicht nur herausragende Kunstwerke der klassischen Moderne, sondern zeichnet anhand von historischen Dokumenten und Erzählungen deren Wege sowie die Lebensgeschichten der einstigen Eigentümer:innen nach. Das Verfolgungsschicksal der Sammler:innen während der Schoa sowie die damit einhergehende Zerschlagung ihrer Kollektionen sind wesentlicher Bestandteil des Ausstellungskonzepts. Die Schau erinnert an die wegweisende Rolle deutscher Jüdinnen und Juden für die Etablierung, Förderung und Verteidigung moderner Kunstformen in Deutschland. Zu sehen sind rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus der Zeit vom Realismus und Impressionismus bis zu Expressionismus und Neuer Sachlichkeit von Künstler:innen wie Paul Cezanne, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker, Claude Monet, Max Pechstein und Pablo Picasso. Stefan Koldehoff und Dr. Kathrin Baumstark haben die Ausstellung konzipiert und kuratiert. Sie steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Camille Pissarro, Der Pont Neuf, Paris, 1902, Musée des Beaux-Arts de Lyon © Lyon MBA - Photo Alain Basset
Camille Pissarro, Der Pont Neuf, Paris, 1902, Musée des Beaux-Arts de Lyon © Lyon MBA - Photo Alain Basset – Mit freundlicher Genehmigung von: buceriuskunstforum / Bucerius Kunst Forum

Im Mittelpunkt der Schau stehen beispielhaft fünfzehn Familien, Paare und Einzelpersonen aus allen Teilen des damaligen Deutschen Reiches, die durch ihre Sammeltätigkeit moderne Kunst in besonderer Form förderten und sich damit sowie auf andere Weise, etwa in öffentlichen Institutionen und durch privates Mäzenatentum, für die Gesellschaft engagierten. Zu ihnen zählen u.a. die Familie Hirschland, Paul und Clothilde Schüler, Martha und Walter Blank, Max Meirowsky, Rosa Schapire und Margarete Mauthner. Aus ihren ehemaligen Sammlungen sind Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Künstler:innenpostkarten und Skulpturen von Georges Braque, Paul Cezanne, Lovis Corinth, Vincent van Gogh, Ferdinand Hodler, Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc, Paula Modersohn-Becker, Claude Monet, Edvard Munch, Max Pechstein, Pablo Picasso, Camille Pissarro, Karl Schmidt-Rottluff, Milly Steeger und vielen weiteren zu sehen.

Wladimir von Zabotin, Sonntagmorgen in Danzig, o. Dat., Kunsthalle Mannheim © Sammlung Emma Zabotin © Foto: Kunsthalle Mannheim
Paula Modersohn-Becker, Vier Kinder vor Landschaft mit Moorkanal, um 1900, Kunstsammlungen Chemnitz-Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser                                © Foto: Archiv Museum Gunzenhauser
Wladimir von Zabotin, Sonntagmorgen in Danzig, o. Dat., Kunsthalle Mannheim © Sammlung Emma Zabotin © Foto: Kunsthalle Mannheim • Paula Modersohn-Becker, Vier Kinder vor Landschaft mit Moorkanal, um 1900, Kunstsammlungen Chemnitz-Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser © Foto: Archiv Museum Gunzenhauser – Mit freundlicher Genehmigung von: buceriuskunstforum / Bucerius Kunst Forum

Die Ausstellung erinnert an diese Sammler:innen, die nach der nationalsozialistischen Machtübernahme häufig selbst oder ihre Angehörigen verfolgt, entrechtet, enteignet und ins Exil vertrieben oder ermordet wurden. Außerdem verdeutlicht die Schau die kulturhistorische Leistung dieser Menschen, indem sie die von ihnen zusammengetragenen Werke in ihrem historischen Kontext präsentiert. Jeder Sammlung ist ein eigener Raum gewidmet, in dem die Begegnung mit den Kunstwerken, deren Weg bis in die Gegenwart, mit den Sammler:innenpersönlichkeiten und ihrer Geschichte möglich ist.

Diese physischen und gedanklichen Räume zeigen auf, aus welchen Motivationen, auf welche Weise und mit welcher Unterstützung die einzelnen Sammlungen entstanden sind – und aus welchen Gründen die Sammler:innen sich häufig auch progressiver Kunst zuwandten. Denn anders als die offizielle Kunstpolitik des Kaiserreichs, die bis in die frühen 1910er-Jahre hinein konservativ orientiert blieb, begegneten sie neuen Stilrichtungen häufig mit großer Offenheit. Zudem trugen sie durch ihre individuellen Tätigkeiten zur gesellschaftlichen Etablierung moderner Kunst bei: Neben der intellektuellen Aneignung, Auswahl und Präsentation der Werke spielte die öffentliche Unterstützung dieser Kunstformen in Museen, Kunstvereinen und Publikationen, die Kooperation mit Galerist:innen und die direkte Förderung von Künstler:innen eine große Rolle.

Unbekannt: Bildnis Antonie Lessing, o. J., Privatarchiv Jens-Peter Ketelsen, Foto: Katharina Strauss
Franz Wilhelm Seiwert, Diskussion, 1926, Kunstmuseum Bonn © Foto: Reni Hansen – ARTOTHEK
Unbekannt: Bildnis Antonie Lessing, o. J., Privatarchiv Jens-Peter Ketelsen, Foto: Katharina Strauss • Franz Wilhelm Seiwert, Diskussion, 1926, Kunstmuseum Bonn © Foto: Reni Hansen – ARTOTHEK – Mit freundlicher Genehmigung von: buceriuskunstforum / Bucerius Kunst Forum

Ergänzend dazu werden ihre Persönlichkeiten und individuellen Lebenswege anhand von Zeitdokumenten und Fotografien dargestellt. Spätestens in der Zeit des Nationalsozialismus waren ihre Lebensgeschichten von Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung, Verfolgung, Vertreibung und Ermordung geprägt. Als ein Aspekt dieser Unrechtsgeschichte wird daran erinnert, wie politischer Druck, Zwangssteuern, Ausreiseverbote, Vermögenssperren und Devisenauflagen jüdische Sammler:innen häufig zur Aufgabe ihrer Sammlungen zwangen.

Die Ausstellung verdeutlicht zudem, wie Netzwerke aus Kunsthändler:innen, Museen, staatlichen Akteur:innen und internationalen Käufer:innen in der Zeit des Nationalsozialismus an den Verwertungsprozessen beteiligt waren. Nach 1945 verstreuten sich die Kunstwerke über alle Kontinente und gelangten in private oder institutionelle Bestände, wobei die Vorgeschichte manchmal nicht mehr bekannt war, häufig aber auch bewusst verschleiert wurde. Manchen jüdischen Familien gelang es auch, ihren Kunstbesitz über die Zeit des Nationalsozialismus zu retten.

In der Gesamtkonzeption verbindet die Schau kunsthistorische und kunstsoziologische Forschung und Analyse, kulturpolitische Kontextualisierung und erinnerungskulturelle Reflexion. Die langjährige und aufwändige Recherche zur Ausstellung hat gezeigt, dass viele Jüdinnen und Juden, deren Sammlungspraxis integraler Bestandteil der deutschen Moderne war, höchstens in Fachkreisen noch namentlich bekannt sind. Diese Sammler:innen und ihre kulturelle Leistung mithilfe der Kunst wieder ins gesellschaftliche Bewusstsein zurückzuholen, ist zentrales Anliegen der Ausstellung.

Kunstsammler:innen der Ausstellung:

Adolf Jakob und Luise Bensinger (Mannheim), Martha und Walter Blank (Köln), Max Emden (Hamburg), Familie Hirschland (Essen), Julie und Wilhelm Landmann (Mannheim), Antonie „Toni“ Lessing (Berlin), Margarete Mauthner (Berlin), Max Meirowsky (Köln), Familie von Mendelssohn (Berlin), Martha und Hugo Nathan (Frankfurt am Main), Margarete Oppenheim (Berlin), Rosa Schapire (Hamburg), Clothilde und Paul Schüler (Bochum), Max Silberberg (Breslau), Alfred Wolf (Stuttgart).

Die Ausstellung „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler in Deutschland“ im Bucerius Kunst Forum Hamburg verbindet Kunstgeschichte, Provenienzforschung und Erinnerungskultur zu einer außergewöhnlichen Schau und macht die prägende Rolle jüdischer Kunstsammler für die Entwicklung der Moderne sowie ihre bis heute anhaltende Bedeutung für Museen und den internationalen Kunstmarkt sichtbar.

Tags: Claude Monet, Pablo Picasso, Klassische Moderne, Provenienzforschung, Malerei, Raubkunst, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker, Hermann Max Pechstein, Kunstsammlung

ÖffnungszeitenTäglich 11:00 — 19:00 UhrDonnerstags 11:00 — 21:00 Uhr