Ergänzend dazu werden ihre Persönlichkeiten und individuellen Lebenswege anhand von Zeitdokumenten und Fotografien dargestellt. Spätestens in der Zeit des Nationalsozialismus waren ihre Lebensgeschichten von Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung, Verfolgung, Vertreibung und Ermordung geprägt. Als ein Aspekt dieser Unrechtsgeschichte wird daran erinnert, wie politischer Druck, Zwangssteuern, Ausreiseverbote, Vermögenssperren und Devisenauflagen jüdische Sammler:innen häufig zur Aufgabe ihrer Sammlungen zwangen.
Die Ausstellung verdeutlicht zudem, wie Netzwerke aus Kunsthändler:innen, Museen, staatlichen Akteur:innen und internationalen Käufer:innen in der Zeit des Nationalsozialismus an den Verwertungsprozessen beteiligt waren. Nach 1945 verstreuten sich die Kunstwerke über alle Kontinente und gelangten in private oder institutionelle Bestände, wobei die Vorgeschichte manchmal nicht mehr bekannt war, häufig aber auch bewusst verschleiert wurde. Manchen jüdischen Familien gelang es auch, ihren Kunstbesitz über die Zeit des Nationalsozialismus zu retten.
In der Gesamtkonzeption verbindet die Schau kunsthistorische und kunstsoziologische Forschung und Analyse, kulturpolitische Kontextualisierung und erinnerungskulturelle Reflexion. Die langjährige und aufwändige Recherche zur Ausstellung hat gezeigt, dass viele Jüdinnen und Juden, deren Sammlungspraxis integraler Bestandteil der deutschen Moderne war, höchstens in Fachkreisen noch namentlich bekannt sind. Diese Sammler:innen und ihre kulturelle Leistung mithilfe der Kunst wieder ins gesellschaftliche Bewusstsein zurückzuholen, ist zentrales Anliegen der Ausstellung.
Kunstsammler:innen der Ausstellung:
Adolf Jakob und Luise Bensinger (Mannheim), Martha und Walter Blank (Köln), Max Emden (Hamburg), Familie Hirschland (Essen), Julie und Wilhelm Landmann (Mannheim), Antonie „Toni“ Lessing (Berlin), Margarete Mauthner (Berlin), Max Meirowsky (Köln), Familie von Mendelssohn (Berlin), Martha und Hugo Nathan (Frankfurt am Main), Margarete Oppenheim (Berlin), Rosa Schapire (Hamburg), Clothilde und Paul Schüler (Bochum), Max Silberberg (Breslau), Alfred Wolf (Stuttgart).
Die Ausstellung „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler in Deutschland“ im Bucerius Kunst Forum Hamburg verbindet Kunstgeschichte, Provenienzforschung und Erinnerungskultur zu einer außergewöhnlichen Schau und macht die prägende Rolle jüdischer Kunstsammler für die Entwicklung der Moderne sowie ihre bis heute anhaltende Bedeutung für Museen und den internationalen Kunstmarkt sichtbar.