Louis Fratino in seinem Atelier in New York, 2026. Der Künstler arbeitet an neuen Gemälden für seine erste Einzelausstellung bei David Zwirner in London.
Louis Fratino in seinem Atelier in New York, 2026. Der Künstler arbeitet an neuen Gemälden für seine erste Einzelausstellung bei David Zwirner in London. – Mit freundlicher Genehmigung von: davidzwirner.com / David Zwirner

Wann: 18.09.2026 - 31.10.2026

Wenn David Zwirner einen jungen Künstler in sein internationales Programm aufnimmt, geschieht das selten zufällig. Mit Louis Fratino präsentiert die Galerie ab dem 18. September 2026 in London die erste Einzelausstellung des 1993 geborenen New Yorker Malers in Großbritannien. Die Ausstellung markiert einen wichtigen Meilenstein für einen Künstler, der sich innerhalb weniger Jahre zu einer der eigenständigsten Stimmen der internationalen figurativen Malerei entwickelt hat.

Fratinos Werke erzählen von Nähe, Erinnerung und dem alltäglichen Leben. Menschen beim Essen, Schlafen oder Lesen, Liebespaare, Freunde, Landschaften und häusliche Interieurs bilden den Ausgangspunkt seiner Bilder. Was zunächst vertraut erscheint, entwickelt sich jedoch zu einer vielschichtigen Bildwelt, in der persönliche Erfahrungen, kunsthistorische Bezüge und malerische Freiheit zu einer unverwechselbaren Handschrift verschmelzen.

Eine neue Stimme der figurativen Malerei

Louis Fratino, Wine, 2024. Großformatige Figurenszene mit Menschen an gedeckten Tischen in warmen Rot- und Ockertönen. Öl auf Leinwand.
Louis Fratino, Wine, 2024. Großformatige Figurenszene mit Menschen an gedeckten Tischen in warmen Rot- und Ockertönen. Öl auf Leinwand. – Mit freundlicher Genehmigung von: davidzwirner.com / David Zwirner

„Wine“ (2024) gehört zu den eindrucksvollsten figurativen Kompositionen Louis Fratinos. Das Gemälde zeigt eine dicht besetzte Gesellschaftsszene, in der zahlreiche Figuren an gedeckten Tischen essen, trinken und miteinander kommunizieren. Trotz der Vielzahl an Personen entsteht kein erzählerisches Durcheinander, sondern eine sorgfältig komponierte Choreografie aus Blicken, Gesten und Körperhaltungen.

Die warmen Rot-, Orange- und Ockertöne verleihen dem Bild eine fast mediterrane Atmosphäre. Kunsthistorisch erinnert die Komposition an Henri Matisse, Max Beckmann oder die großen Gesellschaftsdarstellungen der klassischen Moderne, ohne diese zu zitieren. Fratino entwickelt daraus eine eigenständige Bildsprache, in der Nähe, Gemeinschaft und zwischenmenschliche Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Gerade die Verbindung aus malerischer Freiheit und präziser Komposition macht „Wine“ zu einem Schlüsselwerk seines jüngeren Schaffens.

Louis Fratino, The Beach at Noli, 2023. Öl auf Leinwand mit einer sommerlichen Strandszene an der ligurischen Küste. © Louis Fratino
Louis Fratino, The Beach at Noli, 2023. Öl auf Leinwand mit einer sommerlichen Strandszene an der ligurischen Küste. © Louis Fratino – Mit freundlicher Genehmigung von: davidzwirner.com / David Zwirner

„The Beach at Noli“ – Alltag als poetisches Panorama

„The Beach at Noli“ (2023) zeigt einen scheinbar gewöhnlichen Sommertag an der ligurischen Küste. Menschen sonnen sich, lesen, unterhalten sich oder gehen am Wasser entlang. Fratino verzichtet auf ein zentrales Ereignis und entwickelt stattdessen ein vielschichtiges Panorama alltäglichen Lebens. Die Figuren wirken miteinander verbunden und zugleich in ihre eigenen Gedanken versunken. Aus der Distanz entfaltet das Gemälde eine beinahe erzählerische Weite, während sich beim näheren Betrachten zahlreiche kleine Szenen und Gesten entdecken lassen.

Seine Gemälde besitzen eine außergewöhnliche Ruhe. Die Figuren wirken weder inszeniert noch dramatisiert. Vielmehr entsteht der Eindruck, als begleite der Betrachter einen flüchtigen Moment – ein Gespräch, eine Berührung oder einen stillen Augenblick des Nachdenkens. Gerade diese unaufgeregte Bildsprache verleiht seinen Arbeiten eine bemerkenswerte emotionale Tiefe.

Louis Fratino, April (after Christopher Wood), 2024. Interieur mit männlichem Rückenakt vor einer geöffneten Tür, Atelierobjekten und mediterranem Licht. Öl auf Leinwand. © Louis Fratino
Louis Fratino, My Sister’s Boys, 2024. Zwei Kleinkinder als Rücken- und Frontalfigur in einer intimen, fein modellierten Darstellung. Öl auf Leinwand. © Louis Fratino
Louis Fratino, April (after Christopher Wood), 2024. Interieur mit männlichem Rückenakt vor einer geöffneten Tür, Atelierobjekten und mediterranem Licht. Öl auf Leinwand. © Louis Fratino • Louis Fratino, My Sister’s Boys, 2024. Zwei Kleinkinder als Rücken- und Frontalfigur in einer intimen, fein modellierten Darstellung. Öl auf Leinwand. © Louis Fratino – Mit freundlicher Genehmigung von: davidzwirner.com / David Zwirner

Dabei beschränkt sich Fratino keineswegs auf intime Porträts. Großformatige Figurenszenen, weitläufige Landschaften und komplex komponierte Gruppenbilder erweitern sein Werk kontinuierlich. Immer wieder verbindet er alltägliche Beobachtungen mit kunsthistorischen Anspielungen und schafft Gemälde, die zugleich persönlich und universell wirken.

Seine Malerei lebt von einer sichtbaren Freude am Material. Kräftige Rot-, Grün- und Blautöne treffen auf warme Erdfarben und gebrochene Pastellnuancen. Die Pinselstriche bleiben bewusst erkennbar, Formen lösen sich stellenweise auf und Räume folgen nicht immer den klassischen Regeln der Perspektive. Gerade diese Offenheit verleiht den Bildern eine lebendige, beinahe atmende Qualität.

Louis Fratino, The Young Father, 2025. Bronzeskulptur eines sitzenden jungen Vaters mit Kind auf dem Arm. © Louis Fratino
Louis Fratino, The Young Father, 2025. Bronzeskulptur eines sitzenden jungen Vaters mit Kind auf dem Arm. © Louis Fratino – Mit freundlicher Genehmigung von: davidzwirner.com / David Zwirner

Malerei und Skulptur im Dialog

Fratino setzt sich intensiv mit der europäischen Malereigeschichte auseinander. Einflüsse von Henri Matisse, Pierre Bonnard, Pablo Picasso oder auch der italienischen Renaissance sind ebenso spürbar wie Anklänge an die amerikanische Moderne. Diese Vorbilder dienen ihm jedoch nicht als Stilvorlage, sondern als Ausgangspunkt für eine eigenständige Bildsprache, die Tradition und Gegenwart miteinander verbindet.

Im Mittelpunkt vieler Werke steht der menschliche Körper. Fratino beschäftigt sich mit Identität, Beziehungen und queerer Lebensrealität, ohne seine Malerei auf gesellschaftliche Themen zu reduzieren. Seine Figuren erscheinen verletzlich, sinnlich und selbstverständlich zugleich. Gerade diese Natürlichkeit macht seine Bilder universell verständlich und hebt sie von vielen Positionen der zeitgenössischen figurativen Kunst ab.

Die Londoner Ausstellung vereint neue Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen und eröffnet einen umfassenden Einblick in Fratinos aktuelles Schaffen. Sie zeigt einen Künstler, der unterschiedliche Medien selbstverständlich miteinander verbindet und dessen Werk sich kontinuierlich weiterentwickelt.

Louis Fratino, The Paper Lamp, 2024. Zwei eng umschlungene männliche Figuren in einer intimen Komposition. Öl auf Leinwand. © Louis Fratino
Louis Fratino, The Paper Lamp, 2024. Zwei eng umschlungene männliche Figuren in einer intimen Komposition. Öl auf Leinwand. © Louis Fratino – Mit freundlicher Genehmigung von: davidzwirner.com / David Zwirner

Nähe als zentrales Thema

„The Paper Lamp“ (2024) zählt zu den eindrucksvollsten Gemälden Louis Fratinos. Zwei eng ineinander verschlungene Körper füllen nahezu die gesamte Bildfläche. Die Komposition verzichtet auf jede erzählerische Ablenkung und konzentriert sich vollständig auf Nähe, Berührung und menschliche Verbundenheit. Trotz der körperlichen Präsenz wirkt das Bild weder provokant noch voyeuristisch, sondern von großer Ruhe und Zärtlichkeit geprägt.

Die weich modellierten Körperformen, die warmen Erdtöne und die geschlossene Komposition erinnern an Henri Matisse und Pablo Picasso, bleiben jedoch unverkennbar Teil Fratinos eigene Bildsprache. Das Gemälde zeigt exemplarisch, wie der Künstler klassische figurative Malerei in eine zeitgenössische Form übersetzt und dabei eine außergewöhnliche emotionale Intensität erreicht.

Dass David Zwirner Louis Fratino Anfang 2026 in sein internationales Künstlerprogramm aufgenommen hat, unterstreicht seine wachsende Bedeutung. Die Galerie vertritt zahlreiche der einflussreichsten Künstler der Gegenwart und gilt seit Jahrzehnten als eine der wichtigsten Adressen des internationalen Kunstmarktes.

Auch museal hat sich Fratino eindrucksvoll etabliert. Seine Arbeiten waren im Zentralpavillon der 60. Biennale von Venedig zu sehen. 2025 widmete ihm die FLAG Art Foundation in New York die Ausstellung Spotlight: Louis Fratino. Parallel zur Londoner Präsentation zeigt das Baltimore Museum of Art mit „Fratino and Matisse: To See This Light Again“ einen Dialog zwischen seinen Werken und Gemälden von Henri Matisse. Bereits 2025 präsentierte zudem das Centro per l'Arte Contemporanea Luigi Pecci in Prato seine erste große Einzelausstellung in Italien.

Mit seiner ersten Einzelausstellung in London bestätigt Louis Fratino eindrucksvoll seinen Platz unter den bedeutendsten jungen Malern der Gegenwart. Seine Werke verbinden kunsthistorisches Wissen mit großer malerischer Freiheit und emotionaler Offenheit. Sie zeigen, dass figurative Malerei heute weder nostalgisch noch rückwärtsgewandt sein muss, sondern zu den lebendigsten Ausdrucksformen der internationalen Gegenwartskunst gehört.

Tags: Louis Fratino, Malerei, Zeitgenössische Kunst, Figurative Kunst, Contemporary Art, Queere Kunst, Henri Matisse, Queere Kunst, Skulpturen

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