Besonders eindrucksvoll wird dieser Gedanke in den „Spiegelpferden“. Die leuchtend gelben Figuren wirken zunächst fast spielerisch. Erst beim längeren Betrachten entfalten sie ihre eigentliche Bedeutung. Das Pferd erscheint hier nicht als Reittier oder Symbol der Stärke, sondern als Spiegel unseres eigenen Verhältnisses zur Natur. Zwei Körper verschmelzen zu einer Einheit und erinnern daran, dass Identität niemals nur individuell, sondern immer auch Teil eines größeren Ganzen ist.
Es ist einer dieser Momente, in denen man unwillkürlich innehält. Das grelle Gelb strahlt den Raum aus, während das leichte Kleid zwischen den beiden Pferdekörpern fast schwebt. Für einen Augenblick scheint die Skulptur zu atmen – nicht laut, sondern still, als Erinnerung daran, dass Leben immer Beziehung bedeutet.
Die Ausstellung macht deutlich, wie interdisziplinär Elisabeth von Samsonow arbeitet. Malerei, Skulptur, Zeichnung, Film und ortsspezifische Installationen greifen ineinander und bilden einen erzählerischen Parcours. Viele ihrer Holzskulpturen entstehen aus vollständigen Baumstämmen – darunter Arbeiten aus einer tausendjährigen Linde. Das Material bleibt dabei nicht bloßer Werkstoff. Es bewahrt Zeit, Wachstum und Geschichte und wird selbst zum Träger der künstlerischen Aussage.