Elisabeth von Samsonow, ERDSEELE – Wenn die Schwalben wieder kommen, 2024. Abstrakte Komposition aus organischen Formen und leuchtenden Farben in der Ausstellung der Heidi Horten Collection. Foto © Maximilian Brucker
Elisabeth von Samsonow, ERDSEELE – Wenn die Schwalben wieder kommen, 2024. Abstrakte Komposition aus organischen Formen und leuchtenden Farben in der Ausstellung der Heidi Horten Collection. Foto © Maximilian Brucker – Mit freundlicher Genehmigung von: hortencollection / Heidi Horten Sammlung Wien

Wann: 19.09.2026 - 28.02.2027

Mit der Ausstellung „Elisabeth von Samsonow“ eröffnet die Heidi Horten Collection in Wien einen Parcours, der Kunst, Philosophie und Natur zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis verbindet. Vom 19. September 2026 bis 28. Februar 2027 begegnen Besucher Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen, Filmen und raumgreifenden Installationen einer Künstlerin, die unsere Beziehung zur Erde neu denken lässt. 

Was wollte Elisabeth von Samsonow ausdrücken?

Wer durch die Ausstellung geht, merkt schnell, dass ihre Werke keine Antworten geben wollen. Sie stellen Fragen. Nicht nach Schönheit oder Perfektion, sondern nach unserem Ursprung. Woher kommen wir? Welche Spuren hinterlässt der Mensch in der Natur? Und warum haben wir uns so weit von ihr entfernt?

Im Mittelpunkt ihres Schaffens steht die Erde – nicht als Landschaft, sondern als lebendiger Organismus. Für Samsonow trägt sie Erinnerung, Geschichte und Energie in sich. Ihre Skulpturen und Bilder erzählen davon, dass Mensch, Tier und Pflanze nicht voneinander getrennt existieren, sondern Teil eines gemeinsamen Kreislaufs sind.

Elisabeth von Samsonow, „Spiegelpferde 1 und 2“, 2023, aus der Ausstellung in der Heidi Horten Collection Wien. Foto © Max Brucker
Elisabeth von Samsonow, „Spiegelpferde 1 und 2“, 2023, aus der Ausstellung in der Heidi Horten Collection Wien. Foto © Max Brucker – Mit freundlicher Genehmigung von: hortencollection / Heidi Horten Sammlung Wien

Besonders eindrucksvoll wird dieser Gedanke in den „Spiegelpferden“. Die leuchtend gelben Figuren wirken zunächst fast spielerisch. Erst beim längeren Betrachten entfalten sie ihre eigentliche Bedeutung. Das Pferd erscheint hier nicht als Reittier oder Symbol der Stärke, sondern als Spiegel unseres eigenen Verhältnisses zur Natur. Zwei Körper verschmelzen zu einer Einheit und erinnern daran, dass Identität niemals nur individuell, sondern immer auch Teil eines größeren Ganzen ist.

Es ist einer dieser Momente, in denen man unwillkürlich innehält. Das grelle Gelb strahlt den Raum aus, während das leichte Kleid zwischen den beiden Pferdekörpern fast schwebt. Für einen Augenblick scheint die Skulptur zu atmen – nicht laut, sondern still, als Erinnerung daran, dass Leben immer Beziehung bedeutet.

Die Ausstellung macht deutlich, wie interdisziplinär Elisabeth von Samsonow arbeitet. Malerei, Skulptur, Zeichnung, Film und ortsspezifische Installationen greifen ineinander und bilden einen erzählerischen Parcours. Viele ihrer Holzskulpturen entstehen aus vollständigen Baumstämmen – darunter Arbeiten aus einer tausendjährigen Linde. Das Material bleibt dabei nicht bloßer Werkstoff. Es bewahrt Zeit, Wachstum und Geschichte und wird selbst zum Träger der künstlerischen Aussage.

Elisabeth von Samsonow, Constructed World (Le monde), 1999. Farbig gefasste Holzskulptur aus der Ausstellung in der Heidi Horten Collection Wien. Foto © Christoph Fuchs
Elisabeth von Samsonow, Selbstreflexives Mädchen, 2009. Holzskulptur aus der Ausstellung in der Heidi Horten Collection Wien. Foto © Christoph Fuchs
Elisabeth von Samsonow, Constructed World (Le monde), 1999. Farbig gefasste Holzskulptur aus der Ausstellung in der Heidi Horten Collection Wien. Foto © Christoph Fuchs • Elisabeth von Samsonow, Selbstreflexives Mädchen, 2009. Holzskulptur aus der Ausstellung in der Heidi Horten Collection Wien. Foto © Christoph Fuchs – Mit freundlicher Genehmigung von: hortencollection / Heidi Horten Sammlung Wien

Immer wieder taucht der Gaia-Mythos auf – die Vorstellung der Erde als lebendiges Wesen. Samsonow übersetzt diesen antiken Gedanken jedoch nicht illustrativ. Sie verbindet ihn mit aktuellen Fragen nach Körperlichkeit, Transformation, Gemeinschaft und ökologischer Verantwortung. Dadurch entstehen Werke, die gleichermaßen poetisch und politisch wirken.

Eine besondere Qualität der Ausstellung liegt in ihrem Dialog mit der Sammlung der Heidi Horten Collection. Arbeiten von Egon Schiele und deutschen Expressionisten treten mit Samsonows Werk in Beziehung und eröffnen neue Blickwinkel auf Themen wie Körper, Identität und Ausdruck. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich hier nicht als Gegensätze, sondern als fortlaufendes Gespräch.

Die Ausstellung richtet sich bewusst auch an ein breites Publikum. Ein eigens gestalteter Kreativbereich lädt Kinder, Jugendliche und Erwachsene dazu ein, selbst gestalterisch tätig zu werden und die Ausstellung nicht nur zu betrachten, sondern aktiv zu erleben. Dieser offene Ansatz unterstreicht den dialogischen Charakter der Präsentation.

Elisabeth von Samsonow, Maps Land of the Goddesses. Aquarellartige Entwurfsskizze einer Landschaft aus der Ausstellung in der Heidi Horten Collection Wien. Foto © Maximilian Brucker
Elisabeth von Samsonow, Maps Land of the Goddesses. Aquarellartige Entwurfsskizze einer Landschaft aus der Ausstellung in der Heidi Horten Collection Wien. Foto © Maximilian Brucker – Mit freundlicher Genehmigung von: hortencollection / Heidi Horten Sammlung Wien

Mit dieser umfassenden Personale widmet die Heidi Horten Collection erstmals das gesamte Spektrum von Elisabeth von Samsonows Werk einer großen Museumsausstellung. Die von Rolf H. Johannsen und Hana O. O. Haas kuratierte Präsentation zeigt eindrucksvoll, dass Kunst nicht nur Bilder hervorbringt, sondern Denk- und Erfahrungsräume öffnet.

Am Ende verlässt man die Ausstellung mit dem Gefühl, dass die Erde unter unseren Füßen mehr ist als bloßer Boden. In Elisabeth von Samsonows Werk wird sie zur Erzählerin einer Geschichte, deren Teil wir selbst sind. Kunst wird hier nicht nur sichtbar, sondern zu einer neuen Art des Denkens.

Tags: Elisabeth von Samsonow, Gegenwartskunst, Zeitgenössische Kunst, Skulpturen, Malerei, Installation, Philosophie, Anthropologie, Expressionismus

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