Georg Baselitz Porträt 2024 im Atelier vor großformatigem Gemälde, Foto Martin Müller
Georg Baselitz Porträt 2024 im Atelier vor großformatigem Gemälde, Foto Martin Müller – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Salzburg

Was: Presse

Wann: 01.05.2026

Mit Blick auf die kommende Ausstellung Venedig – eingebettet in die internationale Strahlkraft der La Biennale di Venezia – erreicht die Nachricht eine besondere Resonanz: Der Künstler Georg Baselitz ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Die Galerie Thaddaeus Ropac würdigt ihn als eine der prägenden Figuren der Gegenwartskunst, dessen Werk Malerei, Skulptur, Zeichnung und Druckgrafik gleichermaßen umfasst und über Jahrzehnte hinweg den internationalen Kunstdiskurs maßgeblich beeinflusst hat.

Die Nachricht trifft eine Kunstwelt, die Baselitz nicht nur als kanonischen Erneuerer, sondern als singuläre künstlerische Stimme verstanden hat. Seine Arbeiten, in den bedeutendsten Museen weltweit vertreten, tragen eine Bildsprache, die sich konsequent jeder eindeutigen Zuordnung entzieht und gerade darin ihre nachhaltige Wirkung entfaltet.

„Ich begann mit Zeichnungen und Gemälden, gewissermaßen wie beim Graben, Bohren, Lauschen, Nachdenken, Schürfen, während ich darüber nachdachte, was dahinter oder darunter liegt. Und so habe ich mich, in Linien und Formen verwandelt, aus meiner Welt in eine andere versetzt.“
— Georg Baselitz

 

Georg Baselitz Porträt 1984 im Atelier Derneburg Schwarzweißaufnahme von Benjamin Katz
Georg Baselitz Porträt 1984 im Atelier Derneburg Schwarzweißaufnahme von Benjamin Katz – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Salzburg
Baselitz entwickelte sein Werk aus der Erfahrung eines vom Krieg geprägten Europas heraus. Seine Bildsprache reagiert auf die Brüche des 20. Jahrhunderts, ohne sich je in ideologischen Kategorien festschreiben zu lassen. Früh entzieht er sich sowohl dem sozialistischen Realismus der DDR als auch westlichen Strömungen – ein Außenseiter, der gerade aus dieser Position heraus eine radikal eigenständige Form findet.

Seine berühmte Umkehrung der Motive – das „Auf-den-Kopf-Stellen“ der Bilder – markiert weniger einen stilistischen Effekt als eine fundamentale Verschiebung der Wahrnehmung. Es geht nicht um das Motiv selbst, sondern um die Beziehung zwischen Bild und Betrachter. Diese Spannung zieht sich durch das gesamte Werk: fragmentierte Körper, isolierte Formen, rohe Gesten und eine Malerei, die stets auch Reflexion über ihre eigene Geschichte ist.

Die sogenannten „Heldenbilder“ der 1960er-Jahre werden zu einem zentralen Bezugspunkt seines Œuvres – eine Serie, die ihn international bekannt macht und bis in die späten Arbeiten hinein nachwirkt.

„Ich habe eine lange Biografie, auf die ich zurückblicken kann. Ich habe über mehr als 60 Jahre hinweg eine unglaublich große Anzahl von Bildern gemalt. In den 1960er-Jahren, 1965, habe ich die sogenannten Heldenbilder gemalt. Diese Serie hat meine Arbeit lange Zeit bestimmt und tut es bis heute. Jetzt, da ich mehr oder weniger am Ende meiner malerischen Tätigkeit stehe, dachte ich, ich sollte eine Art Schluss ziehen. Mit anderen Worten: eine Zusammenfassung der Bilder, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe. Wenn man diese Werke einem Kunsthistoriker zeigen würde, könnte er vermutlich eine Linie ziehen und ein Fazit bestimmen.“
– Georg Baselitz, 2026

Sein Spätwerk, das in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Verdichtung erfährt, führt diese Reflexion weiter. Serien wie „Avignon“ oder zuletzt „Eroi d’Oro“, die ab Mai 2026 in der Fondazione Giorgio Cini gezeigt werden, wirken wie eine bewusste Rückschau – und zugleich wie ein offenes Ende. In ihnen verdichten sich Themen eines ganzen Lebens: Identität, Erinnerung, Körper und vor allem die Beziehung zu seiner Frau Elke Baselitz, die im Spätwerk zur zentralen Figur wird.

Die von seiner Familie veröffentlichte Würdigung, verfasst von Robert Isaf, beschreibt Baselitz als Künstler, der das europäische Nachkriegserlebnis nicht nur dargestellt, sondern verkörpert habe. Seine Biografie – geprägt von Krieg, Flucht, Ablehnung und künstlerischer Eigenständigkeit – spiegelt sich in einem Werk, das stets zwischen persönlicher Erfahrung und universeller Bildsprache vermittelt.

Mit seinem Tod verliert die Kunstwelt eine ihrer prägnantesten Stimmen. Was bleibt, ist ein Werk, das sich jeder abschließenden Deutung entzieht – und gerade darin seine dauerhafte Relevanz behauptet.

Mit seinem Tod verliert die Kunstwelt eine ihrer prägendsten Stimmen – doch das Werk von Georg Baselitz bleibt als zentraler Bezugspunkt der Gegenwartskunst und weit darüber hinaus bestehen.

Tags: Georg Baselitz, Nachruf Kunst, Zeitgenössische Kunst, Zeitgenössische Kunst, Malerei, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafik, Deutsche Kunst, Kunstgeschichte, Neo-Expressionismus, Kunstmarkt, Biennale di Venezia, Nachkriegskunst

Öffnungszeiten (typisch für Ausstellungen in der Fondazione Giorgio Cini):
Täglich ca. 10:00 – 19:00 Uhr
(letzter Einlass meist gegen 18:00 Uhr)