„Ich habe eine lange Biografie, auf die ich zurückblicken kann. Ich habe über mehr als 60 Jahre hinweg eine unglaublich große Anzahl von Bildern gemalt. In den 1960er-Jahren, 1965, habe ich die sogenannten Heldenbilder gemalt. Diese Serie hat meine Arbeit lange Zeit bestimmt und tut es bis heute. Jetzt, da ich mehr oder weniger am Ende meiner malerischen Tätigkeit stehe, dachte ich, ich sollte eine Art Schluss ziehen. Mit anderen Worten: eine Zusammenfassung der Bilder, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe. Wenn man diese Werke einem Kunsthistoriker zeigen würde, könnte er vermutlich eine Linie ziehen und ein Fazit bestimmen.“
– Georg Baselitz, 2026
Sein Spätwerk, das in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Verdichtung erfährt, führt diese Reflexion weiter. Serien wie „Avignon“ oder zuletzt „Eroi d’Oro“, die ab Mai 2026 in der Fondazione Giorgio Cini gezeigt werden, wirken wie eine bewusste Rückschau – und zugleich wie ein offenes Ende. In ihnen verdichten sich Themen eines ganzen Lebens: Identität, Erinnerung, Körper und vor allem die Beziehung zu seiner Frau Elke Baselitz, die im Spätwerk zur zentralen Figur wird.
Die von seiner Familie veröffentlichte Würdigung, verfasst von Robert Isaf, beschreibt Baselitz als Künstler, der das europäische Nachkriegserlebnis nicht nur dargestellt, sondern verkörpert habe. Seine Biografie – geprägt von Krieg, Flucht, Ablehnung und künstlerischer Eigenständigkeit – spiegelt sich in einem Werk, das stets zwischen persönlicher Erfahrung und universeller Bildsprache vermittelt.
Mit seinem Tod verliert die Kunstwelt eine ihrer prägnantesten Stimmen. Was bleibt, ist ein Werk, das sich jeder abschließenden Deutung entzieht – und gerade darin seine dauerhafte Relevanz behauptet.
Mit seinem Tod verliert die Kunstwelt eine ihrer prägendsten Stimmen – doch das Werk von Georg Baselitz bleibt als zentraler Bezugspunkt der Gegenwartskunst und weit darüber hinaus bestehen.