Wolfgang Herzig, Love – Frau mit geschlossenen Augen, die einen Hund liebevoll auf ihrem Schoß umarmt. Expressive figurative Malerei, Mischtechnik auf Papier, 136 × 137 cm. © Foto: Daniil Zhiltsov
Wolfgang Herzig, Love – Frau mit geschlossenen Augen, die einen Hund liebevoll auf ihrem Schoß umarmt. Expressive figurative Malerei, Mischtechnik auf Papier, 136 × 137 cm. © Foto: Daniil Zhiltsov – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien

Was: Presse

Wann: 24.10.2026

Wolfgang Herzig – Wo andere wegsahen, begann er zu malen.

85 Jahre Wolfgang Herzig. Ein Künstler, der die Menschen nicht verschönerte, sondern ihnen Aufmerksamkeit schenkte. Der ihre Schwächen, Sehnsüchte und Widersprüche festhielt und dabei seiner eigenen künstlerischen Sprache treu blieb.

Manchmal braucht es einen zweiten Blick

Da sitzt eine Frau. Ihre Augen sind geschlossen, ihre Arme umschließen etwas, das wir zunächst kaum erkennen können.

Braune, ineinander verschlungene Formen. Ein Körper, der sich kaum vom anderen unterscheiden lässt. Wir schauen hin, versuchen die Linien zu verfolgen, die Figuren auseinanderzuhalten.

Und plötzlich entdecken wir ihn.

Einen Hund.

Wolfgang Herzig, Love – Detail einer Frau, die ihren Hund liebevoll umarmt. © Foto: Daniil Zhiltsov
Wolfgang Herzig, Love – Detail einer Frau, die ihren Hund liebevoll umarmt. © Foto: Daniil Zhiltsov – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien
Da ist sein Kopf, da sind seine Ohren, seine Pfoten. Und die Frau hält ihn ganz fest an sich gedrückt.

Wolfgang Herzig nennt dieses Bild schlicht „Love“.

Liebe.

Ein einziges Wort. Und doch steckt darin eine ganze Geschichte.

Wer einmal einem Hundebesitzer zugehört hat, der von seinem vierbeinigen Freund erzählt, kennt diesen besonderen Augenblick. Plötzlich verändert sich sein Gesicht. Die Augen beginnen zu glänzen, ein Lächeln breitet sich aus.

Und manchmal fällt dann dieser Satz:

„Hunde sind mir oft lieber als Menschen.“

Warum eigentlich?

Vielleicht, weil ein Hund uns nicht danach beurteilt, wer wir sind, was wir besitzen oder welchen gesellschaftlichen Rang wir einnehmen. Er freut sich, wenn wir nach Hause kommen. Er sucht unsere Nähe, ohne große Erklärungen zu verlangen.

Ist es diese bedingungslose Zuneigung, die Wolfgang Herzig in seinem Bild festhalten wollte?

Wir wissen es nicht.

Vielleicht hat er eine Frau mit ihrem Hund beobachtet. Vielleicht ist es eine persönliche Erinnerung. Vielleicht wollte er etwas ganz anderes erzählen.

Aber eines hat er erreicht: Wir haben hingesehen. Und beim zweiten Blick haben wir etwas entdeckt, das uns beim ersten verborgen geblieben war.

Die Liebe war die ganze Zeit da. Wir mussten sie nur erkennen.

Wo andere wegsahen

Am 24. Oktober 2026 feiert Wolfgang Herzig seinen 85. Geburtstag.

Mehr als sechs Jahrzehnte beschäftigt er sich mit den Menschen und der Gesellschaft, in der sie leben.

Und je länger wir seine Bilder betrachten, desto stärker drängt sich uns eine Frage auf:

Was muss einen Menschen bewegen, seine Mitmenschen auf diese Weise zu malen?

Wolfgang Herzig – Der österreichische Maler in seinem Atelier, umgeben von seinen Werken. © Foto: Kristian Bissuti
Wolfgang Herzig – Der österreichische Maler in seinem Atelier, umgeben von seinen Werken. © Foto: Kristian Bissuti – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien
Herzig schenkt seinen Figuren keine makellosen Körper. Ihre Gesichter sind manchmal verzerrt, ihre Gliedmaßen überzeichnet, ihre Bewegungen eigenartig. Menschen verschlingen sich, sitzen nebeneinander, liegen übereinander oder scheinen in ihrer eigenen kleinen Welt gefangen.

Da ist nichts von jener glatten Schönheit, die uns Werbung und gesellschaftliche Vorstellungen so gerne vermitteln.

Aber vielleicht liegt genau darin seine besondere Ehrlichkeit.

Denn Menschen sind nicht vollkommen.

Sie haben Schwächen, Sehnsüchte, Eigenheiten. Sie lieben, streiten, hoffen, scheitern und beginnen wieder von vorne.

Und manchmal zeigen sie ein Gesicht, das sie vor anderen lieber verbergen würden.

Wolfgang Herzig hat hingesehen.

Nicht nur auf das, was Menschen nach außen zeigen, sondern möglicherweise auch auf das, was sich hinter ihren Gesten, ihren Blicken und ihrem Verhalten verbirgt.

Er selbst bezeichnete sich als Chronisten, als einen Protokolleur der Welt, der Menschen und der Gesellschaft.

Ein bemerkenswertes Selbstverständnis.

Denn ein Chronist hält fest, was geschieht.

Doch Herzig zeichnet die Welt nicht einfach ab. Er verwandelt sie in seine eigene Bildsprache.

Und damit beginnt unsere nächste Frage.

 

Goldenes Zeitalter – Wenn die Liebe in die Jahre kommt

Wolfgang Herzig, Goldenes Zeitalter – Frau lehnt an ihrem schlafenden Partner auf roten Liegestühlen. © Foto: Daniil Zhiltsov
Wolfgang Herzig, Goldenes Zeitalter – Frau lehnt an ihrem schlafenden Partner auf roten Liegestühlen. © Foto: Daniil Zhiltsov – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien

Vielleicht sind es fünfzig gemeinsame Jahre.

Fünfzig Jahre voller Erinnerungen, kleiner Streitereien, großer Versöhnungen, gemeinsamer Freuden und jener alltäglichen Gewohnheiten, die irgendwann zu einem gemeinsamen Leben werden.

Er liegt auf seinem roten Liegestuhl. Der Hut tief ins Gesicht gezogen, die Augen geschlossen. Sein dunkles T-Shirt ist ein wenig hochgerutscht und gibt den Blick auf seinen Bauch frei. Die kurze Hose sitzt bequem. Er scheint mit sich und der Welt zufrieden.

Und sie?

Sie sitzt neben ihm. Gepflegt, mit kurzem Haar, roten Lippen, einem orangefarbenen Oberteil und einem langen dunklen Rock. Ihre roten Schuhe setzen einen kleinen modischen Akzent.

Ihr Kopf ruht an seinem Knie.

Vielleicht hört sie seinen ruhigen Atem. Vielleicht erinnert sie sich an den jungen Mann, in den sie sich einst verliebt hat.

Wolfgang Herzig, Goldenes Zeitalter – Detail einer Frau mit roten Lippen, die ihren Kopf an das Knie ihres Partners lehnt. © Foto: Daniil Zhiltsov
Wolfgang Herzig, Goldenes Zeitalter – Detail einer Frau mit roten Lippen, die ihren Kopf an das Knie ihres Partners lehnt. © Foto: Daniil Zhiltsov – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien
Und vielleicht denkt sie gerade:

Mein Gott, wie die Zeit vergangen ist.

Zwischen ihnen ein Glas mit roter Flüssigkeit. Im Hintergrund eine Treppe, die irgendwohin führt. Vielleicht auf eine Terrasse, auf der sie schon unzählige gemeinsame Stunden verbracht haben.

Nichts Spektakuläres geschieht.

Kein großer Liebesbeweis. Keine leidenschaftliche Umarmung. Keine dramatische Szene.

Nur zwei Menschen, die miteinander alt geworden sein könnten.

Und doch liegt in dieser scheinbaren Alltäglichkeit etwas ungemein Kostbares.

Vielleicht ist das das goldene Zeitalter: nicht die Jugend, nicht der Reichtum, nicht die Schönheit. Sondern der Augenblick, in dem wir neben einem Menschen sitzen können, ohne noch etwas beweisen zu müssen.

Wolfgang Herzig nennt sein Bild „Goldenes Zeitalter“.

Ob er diese Geschichte erzählen wollte, wissen wir nicht.

Aber vielleicht würde er schmunzeln, wenn er hörte, was wir darin entdeckt haben.

 

Vorfrühling – Auch eine Kuh hat ihren eigenen Charakter

Wolfgang Herzig, Vorfrühling – expressive Darstellung einer Kuh in winterlicher Landschaft, Mischtechnik auf Papier, 92 × 89 cm. © Foto: Daniil Zhiltsov
Wolfgang Herzig, Vorfrühling – expressive Darstellung einer Kuh in winterlicher Landschaft, Mischtechnik auf Papier, 92 × 89 cm. © Foto: Daniil Zhiltsov – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien

Vielleicht war es ein besonders langer Winter.

Dort oben in den Bergen, wo der Schnee noch auf den Dächern liegt und die Wiesen erst langsam wieder zum Vorschein kommen.

Auf einer Weide steht eine braun-weiß gefleckte Kuh. Ihre Hörner ragen seitlich aus dem Kopf, ihr Körper wirkt kantig, beinahe ausgemergelt. Wir glauben sogar, ihre Rippen erkennen zu können.

War der Winter so lang, dass das Futter knapp wurde?

Wir wissen es nicht.

Aber wir schauen genauer hin.

Und dann diese Augen!

Sie scheinen beinahe über Kreuz zu stehen. Ihr Blick wirkt eigenwillig, ein wenig komisch und zugleich merkwürdig ernst.

Was mag dieses Tier gerade denken?

Vielleicht schaut es hinunter zum verschneiten Bergbauernhof. Vielleicht wartet es einfach auf die ersten grünen Gräser.

Wolfgang Herzig nennt sein Bild „Vorfrühling“.

Nicht Frühling.

Vorfrühling.

Diese wenigen Wochen, in denen der Winter noch nicht verschwunden ist, aber das Leben bereits beginnt, sich zu verändern.

Und plötzlich erscheint uns diese Kuh nicht mehr nur als ein Tier auf einer verschneiten Weide.

Sie wird zu einer kleinen Geschichte über das Durchhalten. Über die Geduld. Über das Warten auf bessere Tage.

Vielleicht hat Herzig genau das gesehen.

Vielleicht auch etwas völlig anderes.

Aber eines gefällt uns besonders:

Er hat dieser Kuh einen eigenen Charakter gegeben.

Und während wir noch ihren ungewöhnlichen Blick betrachten, müssen wir unwillkürlich schmunzeln.

Vielleicht denkt sie ja nur:

„Jetzt wird's aber langsam Zeit, dass der Schnee verschwindet!“

 

Zugreifen – Was verbirgt sich hinter diesem Gesicht?

Wolfgang Herzig, Zugreifen – rätselhafte sitzende Figur mit übereinander angeordneten Gesichtern, verschränkten Händen und kräftigen Rot- und Grüntönen. Öl auf Holz, 90 × 93 cm. © Foto: Daniil Zhiltsov
Wolfgang Herzig, Zugreifen – rätselhafte sitzende Figur mit übereinander angeordneten Gesichtern, verschränkten Händen und kräftigen Rot- und Grüntönen. Öl auf Holz, 90 × 93 cm. © Foto: Daniil Zhiltsov – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien

Eine dunkle Gestalt. Vielleicht in Uniform. Dunkelblau gekleidet, mit roten Bändern und silbern glänzenden Nieten.

Das Gesicht hinter einer eng anliegenden Maske mit schmalen Sichtschlitzen verborgen.

Wer sich dahinter verbirgt, bleibt für uns unsichtbar.

Vor ihr eine nackte Frau mit orangefarbenem Haar.

Eine Hand umfasst ihren Kopf. Nicht zärtlich, nicht schützend. Der Griff wirkt fest, beinahe unerbittlich.

Ihr Gesicht bleibt unseren Blicken entzogen.

Doch was geschieht hier eigentlich?

Zunächst sehen wir zwei Körper. Arme, die sich ineinanderschieben. Hände, die zugreifen. Eine beinahe unauflösbare Verschlingung menschlicher Gliedmaßen.

Wer hält hier wen?

Und warum?

Manchmal braucht es einen zweiten Blick

Wolfgang Herzig, Zugreifen – Detail verschlungener Arme und Hände mit rätselhaftem rotem Gegenstand und einer Öse. © Foto: Daniil Zhiltsov
Wolfgang Herzig, Zugreifen – Detail verschlungener Arme und Hände mit rätselhaftem rotem Gegenstand und einer Öse. © Foto: Daniil Zhiltsov – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien
Wir schauen genauer hin.

Zwischen den Armen und Händen entdecken wir etwas, das uns zunächst verborgen geblieben ist.

Eine auffällige rote Form.

Sie besitzt eine kantige Umrandung. Und da ist etwas, das wie eine Öse aussieht.

Vielleicht eine Tasche?

Eine Hand scheint etwas fest zu umklammern. Eine andere greift nach dem Arm.

Plötzlich verändert sich unsere Wahrnehmung.

Geht es hier vielleicht gar nicht um eine Umarmung, sondern um einen Diebstahl?

Ist die vermummte Gestalt ein Dieb?

Versucht jemand, der Frau etwas zu entreißen?

Oder hält sie selbst etwas fest, das sie nicht hergeben möchte?

Wir wissen es nicht.

Aber wir können die Hände nicht mehr übersehen.

Zugreifen – Ein einziges Wort

Wolfgang Herzig nennt sein Werk schlicht „Zugreifen“.

Ein Wort, das zunächst ganz alltäglich klingt.

Wir greifen nach einem Glas. Nach einer Tasche. Nach der Hand eines anderen Menschen.

Doch Zugreifen kann auch etwas ganz anderes bedeuten.

Etwas an sich reißen.

Etwas besitzen wollen.

Einen Menschen festhalten, obwohl dieser vielleicht gar nicht festgehalten werden möchte.

Und plötzlich erscheint uns die dunkle Gestalt mit ihren verborgenen Augen noch bedrohlicher.

Sie kann sehen. Aber wir können nicht erkennen, wer sie ist.

Vielleicht ist gerade diese Anonymität ein Teil der Geschichte.

Denn wer sein Gesicht verbirgt, entzieht sich auch unserem Blick.

Was wollte Wolfgang Herzig uns erzählen?

Vielleicht eine Geschichte über Gewalt.

Vielleicht über Besitz und Macht.

Vielleicht über einen Menschen, der etwas festhält, während ein anderer danach greift.

Wir kennen die Antwort nicht.

Und wir sollten sie dem Künstler auch nicht nachträglich in den Mund legen.

Aber eines hat Wolfgang Herzig mit diesem Bild erreicht:

Wir schauen hin.

Wir betrachten die Hände, verfolgen die Arme, entdecken die Öse und versuchen zu verstehen, was zwischen diesen beiden Menschen geschieht.

Und je länger wir hinschauen, desto weniger erscheint uns diese Szene selbstverständlich.

Hier wird nicht einfach umarmt. Hier wird zugegriffen.

Vielleicht liegt darin die unbequeme Wahrheit dieses Bildes.

Denn manchmal genügt eine einzige Handbewegung, um sichtbar zu machen, wie nahe sich menschliche Nähe und menschliche Gewalt kommen können.

Wolfgang Herzig hat hingesehen.

Und nun sind wir es, die nicht mehr wegsehen können.

 

Der Maler und seine eigene Seele

Der österreichische Maler Wolfgang Herzig steht mit ausgebreiteten Armen in seinem Atelier vor großformatigen figurativen Gemälden. © Foto: Kristian Bissuti
Der österreichische Maler Wolfgang Herzig steht mit ausgebreiteten Armen in seinem Atelier vor großformatigen figurativen Gemälden. © Foto: Kristian Bissuti – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien

Jetzt stehen wir vor einer Frage, die uns während unserer gesamten Begegnung begleitet hat.

Wie viel von Wolfgang Herzig selbst steckt eigentlich in seinen Bildern?

Sind seine Figuren Beobachtungen anderer Menschen?

Sind sie Erinnerungen?

Oder erzählen sie uns auch etwas über seine eigene Gefühlswelt, seine Zweifel, seine Sehnsüchte und seine Erfahrungen?

Wir können diese Fragen nicht beantworten, ohne ihn selbst zu fragen.

Und vielleicht wäre es auch falsch, aus einem ungewöhnlich gemalten Gesicht unmittelbar auf den Seelenzustand seines Schöpfers zu schließen.

Aber wir dürfen darüber nachdenken.

Denn jedes Kunstwerk entsteht durch die Wahrnehmung eines Menschen.

Herzig entscheidet, was er festhält. Was er verändert. Was er überzeichnet. Welche Farben er verwendet und welche Geschichten er offenlässt.

Er zeigt uns nicht einfach die Welt.

Er zeigt uns eine Welt, die durch seine Augen gegangen ist.

Und vielleicht ist gerade das der Grund, warum seine Bilder so unverwechselbar wirken.

Ein unbeirrbarer Künstler – und ein Lehrer

Wolfgang Herzig gehört zu jenen österreichischen Künstlern, die bereits in den 1960er-Jahren eine eigenständige figurative Bildsprache entwickelten.

1968 war er an der Ausstellung „Wirklichkeiten“ in der Wiener Secession beteiligt.

Während andere künstlerische Strömungen die Kunstwelt bestimmten, ging er seinen eigenen Weg.

Nicht angepasst. Nicht gefällig. Nicht bereit, seine künstlerische Überzeugung einfach gegen eine Mode einzutauschen.

Und dann entdecken wir eine weitere bemerkenswerte Seite seiner Biografie.

Von 1997 bis 2007 war Wolfgang Herzig Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien. Zunächst leitete er die Meisterklasse für Malerei, später war er in der Gestaltungslehre tätig.

Zehn Jahre an einer Universität.

Zehn Jahre Begegnungen mit jungen Menschen, die selbst ihren Weg in der Kunst suchten.

Was hat er ihnen mitgegeben?

Die Fähigkeit, genau hinzusehen?

Den Mut, eine eigene Bildsprache zu entwickeln?

Oder die Erkenntnis, dass ein Künstler nicht jedem Zeitgeist hinterherlaufen muss?

Wir kennen seine Antworten nicht.

Aber allein die Vorstellung ist faszinierend:

Ein Mann, der sich selbst über Jahrzehnte seine künstlerische Unabhängigkeit bewahrte, stand vor jungen Menschen und vermittelte ihnen seine Erfahrungen.

Vielleicht war gerade diese Unabhängigkeit eine seiner wichtigsten Botschaften.

 

85 Jahre – und noch immer nicht fertig mit der Welt

Die Galerie Suppan Fine Arts in Wien begleitet Wolfgang Herzig seit vielen Jahren.

Bereits im April 2026 widmete sie ihm eine Personalausstellung, bei der neben seinem umfangreichen Lebenswerk besonders seine jüngeren Arbeiten im Mittelpunkt standen.

Und das gefällt uns.

Denn hier wird nicht einfach ein Künstler gefeiert, dessen bedeutendste Jahre längst vergangen sind.

Hier begegnen wir einem Menschen, dessen künstlerische Arbeit bis in die Gegenwart reicht.

Einem Maler, der noch immer beobachtet, hinterfragt und seine Eindrücke in Bilder verwandelt.

Wenn wir ihn auf dem Foto vor seinen neuen Arbeiten stehen sehen, die Arme weit ausgebreitet, dann möchten wir beinahe fragen:

Herr Herzig, was haben Sie in diesen 85 Jahren alles gesehen?

Welche Menschen sind Ihnen begegnet?

Welche Geschichten haben Sie berührt?

Und welche Bilder tragen Sie vielleicht noch in sich?

Wir wissen es nicht.

Aber wir hoffen, dass Sie uns noch viele davon erzählen werden.

 

Eine Verbeugung vor dem Künstler – und vor den Menschen, die Kunst lebendig halten

Lieber Wolfgang Herzig,

zu Ihrem 85. Geburtstag möchten wir Ihnen von Herzen gratulieren.

Nicht nur zu einem beeindruckenden Lebenswerk, sondern vor allem zu Ihrer Unabhängigkeit, Ihrer Beharrlichkeit und Ihrem Mut, die Welt mit Ihren eigenen Augen zu betrachten.

Sie haben Menschen gemalt, die nicht vollkommen sind.

Menschen mit ihren Schwächen, ihren Sehnsüchten, ihren Widersprüchen und ihren manchmal rätselhaften Beziehungen.

Sie haben ihnen keine perfekten Gesichter geschenkt.

Aber Sie haben ihnen Aufmerksamkeit gegeben.

Und dafür verbeugen wir uns vor Ihnen.

Wo andere wegsahen, haben Sie hingesehen.

Und bevor wir unsere Begegnung mit Wolfgang Herzig beenden, möchten wir noch Menschen danken, ohne die wir heute vielleicht nicht erneut vor diesen Bildern stehen würden.

Dr. Claudia Suppan und ihr Sohn Sebastian Suppan in der Wiener Galerie Suppan Fine Arts.
Dr. Claudia Suppan und ihr Sohn Sebastian Suppan in der Wiener Galerie Suppan Fine Arts. – Mit freundlicher Genehmigung von: suppanfinearts / Suppan Fine Arts Wien
Unser besonderer Dank gilt Dr. Claudia Suppan und ihrem Sohn Sebastian Suppan von Suppan Fine Arts in Wien.

1974 gründete Martin Suppan (1943–2020) die Galerie Suppan Fine Arts in Wien und legte damit den Grundstein für eine Galeriegeschichte, die bis heute fortgeschrieben wird.

Seine Frau führt dieses Lebenswerk mit großer Verbundenheit weiter und widmet sich besonders jener Künstlergeneration, die ihre eigene Jugend geprägt hat. Ihr Sohn wiederum richtet seinen Blick auf eine jüngere Generation von Künstlerinnen und Künstlern.

Zwei Generationen, zwei Blickrichtungen und eine gemeinsame Leidenschaft für die Kunst.

Dafür möchten wir Frau Suppan und ihrem Sohn unseren persönlichen Dank und unsere Hochachtung aussprechen.

Denn Kunst braucht nicht nur Menschen, die sie erschaffen. Sie braucht auch Menschen, die an sie glauben, die ihr treu bleiben und dafür sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit gerät.

Unsere Verbeugung gilt Wolfgang Herzig, aber ebenso der Familie Suppan, die der Kunst über Generationen hinweg verbunden geblieben ist.

Andreas Färber
findART.cc
Als die Bilder sprechen begannen.

Tags: Malerei, Wolfgang Herzig, Zeitgenössische Kunst, Figurative Kunst, 20. Jahrhundert Kunst, Arbeiten auf Papier, Gemälde, Gesellschaft und Kunst, postmoderner Realismus, Österreichische Künstler, modernen Realismus

Die Galerie in der Habsburgergasse 5 ist von Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 11 bis 14 Uhr geöffnet, darüber hinaus sind Besuche jederzeit nach Vereinbarung möglich.