Wolfgang Mattheuer Hemd im Wind II 1991 Ausstellung Allegorien des Lebens Kunstsammlungen Chemnitz
Wolfgang Mattheuer Hemd im Wind II 1991 Ausstellung Allegorien des Lebens Kunstsammlungen Chemnitz – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlungen / Kunstsammlungen Chemnitz

Wann: 03.10.2026 - 11.04.2027

„Allegorien des Lebens. Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer“ bringt in den Kunstsammlungen Chemnitz zwei Künstler zusammen, deren Bilder und Linien plötzlich miteinander zu sprechen beginnen – über Freiheit, Liebe und die großen Fragen eines ganzen Lebens. Vom 3. Oktober 2026 bis 11. April 2027 eröffnet die Ausstellung Chemnitz erstmals einen gemeinsamen Blick auf zwei eigenständige künstlerische Positionen und erschließt ihre Werke als Dialog über Allegorie, Mythos und die Bildsprache der DDR.

Der 100. Geburtstag von Ursula Mattheuer-Neustädt im Jahr 2026 und der 100. Geburtstag von Wolfgang Mattheuer im Jahr 2027 bilden den Anlass für eine außergewöhnliche Ausstellungskooperation der Kunstsammlungen Chemnitz, des Museums der bildenden Künste Leipzig und der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. In Chemnitz stehen die Bilder als Botschaften im Mittelpunkt – jene vielschichtige Sprache der Kunst, die seit den 1970er Jahren klassische Mythen und literarische Stoffe aufgriff, um gesellschaftliche Fragen zu verhandeln und Kritik in scheinbar vertraute Figuren und Erzählungen einzuschreiben.

Für Wolfgang Mattheuer wurde „Die Flucht des Sisyphos“ von 1972 zum Auftakt einer intensiven Beschäftigung mit dem Mythos. Ursula Mattheuer-Neustädt hingegen fand ihre Inspiration vor allem in Literatur und Poesie. In meist schwarzweißen Zeichnungen und Grafiken entwickelte sie eine eindringliche, beinahe symbolistische Bildwelt. Sie war eine Meisterin der Linie, arbeitete mit Feder, Kugelschreiber und Bleistift sowie in Lithografie, Radierung und vereinzelt im Linolschnitt. Mattheuer, der Bildermacher, setzte Bleistift, Tusche und Feder ebenso ein wie Holzschnitt, Radierung und Lithografie; 1950 entstand sein erstes Gemälde in Öl auf Leinwand.

Ihre Lebens- und Arbeitswege waren eng miteinander verbunden. Ursula Mattheuer-Neustädt, 1926 im vogtländischen Plauen geboren, studierte zunächst Architektur in Weimar und wechselte später an die Kunstgewerbeschule Leipzig. Dort begegnete sie Wolfgang Mattheuer, 1927 in Reichenbach geboren und ursprünglich zum Lithografen ausgebildet. Ab 1948 studierten beide an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Doch Nähe bedeutete für diese beiden Künstler niemals Gleichklang. Trotz ihrer persönlichen Verbindung entwickelten Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer eigenständige künstlerische Positionen, die in der DDR und über die deutsche Wiedervereinigung hinaus große Resonanz fanden. Genau an diesem Punkt setzt „Allegorien des Lebens“ an: Die Ausstellung fragt anhand ihrer Werke nach Individuum, Freiheit und Liebe – und damit nach Themen, die keine Epoche für sich beanspruchen kann.

Wolfgang Mattheuer Hemd im Wind II, 1991 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Jürgen Seidel
Wolfgang Mattheuer Hemd im Wind II, 1991 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Jürgen Seidel – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlungen / Kunstsammlungen Chemnitz

Ein weißes Hemd hängt an einem Ast, dahinter ein weißes, rot eingefasstes Unterhemd. Direkt unter ihnen führt eine Stiege mit Handlauf durch den üppigen Garten. Die Ärmel des Hemdes scheinen sich zu heben, der Stoff bläht sich auf, als wolle er für einen Augenblick den Ast verlassen und über das satte Grün davonfliegen. Hinter den dunklen Ästen liegt ein fast unwirklich blauer Himmel. In Wolfgang Mattheuers „Hemd im Wind II“ wird ein alltäglicher Gegenstand plötzlich lebendig. Vielleicht ist es nur Wind. Vielleicht aber auch dieser kurze, kaum erklärbare Wunsch nach Freiheit, den jeder Mensch kennt.

Die Kunstsammlungen am Theaterplatz zeigen mit der Ausstellung zugleich die große Bandbreite zweier Œuvres, die sich berühren, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Die gemeinsame Betrachtung macht sichtbar, wie unterschiedlich Allegorie funktionieren kann: als erzählerisch aufgeladenes Bild, als Rückgriff auf den Mythos oder als stille, poetische Verdichtung einer Beobachtung.

„Allegorien des Lebens“ ist Teil des Kooperationsprojekts „100 Jahre Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer“. Auf die Chemnitzer Ausstellung folgt 2027 im Museum der bildenden Künste Leipzig „Wolfgang Mattheuer. Drinnen, Draußen und Ich“. Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen widmet sich anschließend mit „Widerständige Idylle. Wolfgang Mattheuer zwischen Mythen und DDR-Alltag“ dem Spannungsfeld zwischen mythologischer Bildsprache und gesellschaftlicher Wirklichkeit.

Mit „Allegorien des Lebens“ eröffnen die Kunstsammlungen Chemnitz einen neuen Blick auf Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer und zeigen, wie zeitlos Kunst von Freiheit, Liebe und dem Individuum erzählen kann.

Tags: Ursula Mattheuer-Neustäd, Wolfgang Mattheuer, DDR-Kunst, Leipziger Schule, Grafik, Malerei, Mythos, Surrealismus, modernen Realismus

Februar bis Mai 2026: Mi – So, Feiertag 11 – 18 Uhr
ab Juni 2026: Di – So, Feiertag 11 – 18 Uhr
24./25./31.12. geschlossen