„Allegorien des Lebens. Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer“ bringt in den Kunstsammlungen Chemnitz zwei Künstler zusammen, deren Bilder und Linien plötzlich miteinander zu sprechen beginnen – über Freiheit, Liebe und die großen Fragen eines ganzen Lebens. Vom 3. Oktober 2026 bis 11. April 2027 eröffnet die Ausstellung Chemnitz erstmals einen gemeinsamen Blick auf zwei eigenständige künstlerische Positionen und erschließt ihre Werke als Dialog über Allegorie, Mythos und die Bildsprache der DDR.
Der 100. Geburtstag von Ursula Mattheuer-Neustädt im Jahr 2026 und der 100. Geburtstag von Wolfgang Mattheuer im Jahr 2027 bilden den Anlass für eine außergewöhnliche Ausstellungskooperation der Kunstsammlungen Chemnitz, des Museums der bildenden Künste Leipzig und der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. In Chemnitz stehen die Bilder als Botschaften im Mittelpunkt – jene vielschichtige Sprache der Kunst, die seit den 1970er Jahren klassische Mythen und literarische Stoffe aufgriff, um gesellschaftliche Fragen zu verhandeln und Kritik in scheinbar vertraute Figuren und Erzählungen einzuschreiben.
Für Wolfgang Mattheuer wurde „Die Flucht des Sisyphos“ von 1972 zum Auftakt einer intensiven Beschäftigung mit dem Mythos. Ursula Mattheuer-Neustädt hingegen fand ihre Inspiration vor allem in Literatur und Poesie. In meist schwarzweißen Zeichnungen und Grafiken entwickelte sie eine eindringliche, beinahe symbolistische Bildwelt. Sie war eine Meisterin der Linie, arbeitete mit Feder, Kugelschreiber und Bleistift sowie in Lithografie, Radierung und vereinzelt im Linolschnitt. Mattheuer, der Bildermacher, setzte Bleistift, Tusche und Feder ebenso ein wie Holzschnitt, Radierung und Lithografie; 1950 entstand sein erstes Gemälde in Öl auf Leinwand.
Ihre Lebens- und Arbeitswege waren eng miteinander verbunden. Ursula Mattheuer-Neustädt, 1926 im vogtländischen Plauen geboren, studierte zunächst Architektur in Weimar und wechselte später an die Kunstgewerbeschule Leipzig. Dort begegnete sie Wolfgang Mattheuer, 1927 in Reichenbach geboren und ursprünglich zum Lithografen ausgebildet. Ab 1948 studierten beide an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Doch Nähe bedeutete für diese beiden Künstler niemals Gleichklang. Trotz ihrer persönlichen Verbindung entwickelten Ursula Mattheuer-Neustädt und Wolfgang Mattheuer eigenständige künstlerische Positionen, die in der DDR und über die deutsche Wiedervereinigung hinaus große Resonanz fanden. Genau an diesem Punkt setzt „Allegorien des Lebens“ an: Die Ausstellung fragt anhand ihrer Werke nach Individuum, Freiheit und Liebe – und damit nach Themen, die keine Epoche für sich beanspruchen kann.