Schütte gehört heute zu den international bedeutenden deutschen Künstlern seiner Generation. Schon seine frühen Arbeiten bewegen sich zwischen Architektur, Modell, Skulptur und der Frage, wie Räume und gesellschaftliche Ordnungen entworfen werden. „Joker Poker“ verbindet ein Modell aus Holz und Farbe mit einem großformatigen Bild und zeigt, wie weit sich der Begriff der Skulptur innerhalb dieser Sammlung verändert.
Der Titel „Joker Poker“ bekommt in diesem Zusammenhang beinahe eine zweite Bedeutung. Spiel, Risiko, Gewinnen und Verlieren – genau diese Gedanken begegnen uns derzeit auch bei Anna Park in New York. In „House Rules“ wird die Spielkarte zum Symbol einer Gegenwart, in der Sicherheiten plötzlich nicht mehr selbstverständlich erscheinen. → Anna Park – House Rules bei Lehmann Maupin New York 2026
Hinzu kommen Werke von Horst Antes und Peter Brüning, die zuvor als Dauerleihgaben im Kunstmuseum Bonn zu sehen waren.
Dass ausgerechnet eine Sammlung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft nun diesen Weg nimmt, verleiht der Geschichte eine besondere Aktualität. Über Jahrzehnte wurden Werke erworben und Museen als Dauerleihgaben anvertraut. Nun kehrt sich diese Bewegung um: Die Kunst verlässt die Museen und geht zurück auf den Markt. Was dabei verloren geht und was dadurch neu entstehen kann, wird sich erst zeigen.
Warum der Kulturkreis seine Sammlung verkauft
Hinter der Veräußerung steht allerdings kein Rückzug aus der Kunstförderung. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI engagiert sich seit 1951 für junge Talente. Während dieser jahrzehntelangen Tätigkeit entstand die Sammlung, deren Werke schließlich als Dauerleihgaben ihren Weg in zahlreiche deutsche Museen fanden.
Nun soll gerade der Verkauf dieser Sammlung neue Mittel für die zukünftige Förderung schaffen. Der Kulturkreis begründet den Schritt damit, Kunst nicht nur bewahren, sondern ihre Entwicklung aktiv fördern zu wollen.
Damit bekommt die Auktion eine ungewöhnliche Pointe: Eine Sammlung, die aus jahrzehntelanger Kunstförderung entstanden ist, wird aufgelöst, um neue Kunstförderung zu finanzieren. Werke, die ihren Platz zeitweise im Museum gefunden hatten, kehren auf den Markt zurück – und ermöglichen damit möglicherweise den nächsten Künstlern erst den Beginn ihrer Geschichte.