Kunsthaus Lempertz in Köln mit Blick auf das Auktionshaus und den Kölner Dom im Hintergrund
Kunsthaus Lempertz in Köln mit Blick auf das Auktionshaus und den Kölner Dom im Hintergrund – Mit freundlicher Genehmigung von: lempertz / Auktionshaus Lempertz

Was: Presse

Wann: 10.09.2026

Wenn Kunst das Museum verlässt: Lempertz versteigert die Sammlung des Kulturkreises

Jahrelang hingen und standen sie in deutschen Museen – nun kehren Werke von Werner Heldt, Hans Purrmann, Karl Hartung und Thomas Schütte auf den Kunstmarkt zurück. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI trennt sich von seiner über Jahrzehnte aufgebauten Sammlung. Lempertz wurde mit der Vermittlung beauftragt; erste Arbeiten sollen bereits in den Auktionen der Herbstsaison 2026 versteigert werden.

Damit beginnt eine ungewöhnliche Bewegung vom Museum zurück in den Markt. Teile der Sammlung waren nicht in einem eigenen Haus versammelt, sondern als Dauerleihgaben über Deutschland verteilt. Der „Pfingsttag“ von Werner Heldt befand sich in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, Karl Hartungs Bronze „Liegende“ und Hans Purrmanns „Tessiner Landschaft“ im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen. Ein Selbstbildnis Purrmanns kommt aus dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Arbeiten von Horst Antes und Peter Brüning waren als Dauerleihgaben im Kunstmuseum Bonn.

Werner Heldt: Eine Stadt, die beinahe verschwunden ist

Werner Heldt, Pfingsttag, 1952, Öl auf Leinwand, ehemalige Dauerleihgabe an die Neue Nationalgalerie Berlin
Werner Heldt, Pfingsttag, 1952, Öl auf Leinwand, ehemalige Dauerleihgabe an die Neue Nationalgalerie Berlin – Mit freundlicher Genehmigung von: lempertz / Auktionshaus Lempertz

Besonders stark erzählt Werner Heldts „Pfingsttag“ von 1952 diese Geschichte. Heldt gehört zu jenen Künstlern, deren Werk kaum von der Erfahrung Berlins und seiner Zerstörung zu trennen ist. Doch in „Pfingsttag“ erscheint die Stadt nicht als naturalistisch wiedergegebener Ort. Architektur wird zur Form, Landschaft zur Erinnerung.

Vor dem hellen Hintergrund steht ein dunkler, beinahe monumentaler Baukörper. Ein schmales gelbes Feld öffnet sich darin wie ein Streifen Licht. Grün flankiert die Architektur, während in der Ferne Fragmente einer Stadt auftauchen. Heldt verdichtet den Stadtraum zu wenigen Flächen und Zeichen. Das Bild entsteht 1952, sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – in einer Zeit, in der Berlin materiell wie geistig noch von den Folgen der Zerstörung geprägt war.

Vielleicht liegt die eigentliche Spannung des Bildes in diesem schmalen Gelb. Ringsum scheint die Architektur geschlossen und schwer. Und dennoch bleibt eine Öffnung. Heldts Stadt wirkt nicht heil – aber auch nicht endgültig verloren.

Gerade dieses Werk war als Dauerleihgabe in der Neuen Nationalgalerie Berlin. Nun verändert sich sein Kontext grundlegend: Was dort Teil einer öffentlichen Museumserfahrung sein konnte, wird wieder zum Gegenstand einer Auktion.

Doch genau an diesem Punkt beginnt für uns eine zweite Geschichte. Der Kulturkreis begründet den Verkauf damit, künftig verstärkt Mittel für die Förderung junger Künstler einsetzen zu wollen. Das ist nachvollziehbar. Dennoch lässt sich kaum übersehen, in welcher Zeit diese Entscheidung fällt. Die deutsche Wirtschaft steht unter erheblichem Druck, öffentliche Haushalte stehen vielerorts unter Spardruck und damit geraten auch Kulturinstitutionen und ihre finanziellen Spielräume zunehmend in den Blick.

Von Purrmann und Hartung bis Thomas Schütte

Karl Hartung, Liegende, 1947, Bronze, 20,8 × 49,1 × 26,1 cm, ehemalige Dauerleihgabe im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen
Karl Hartung, Liegende, 1947, Bronze, 20,8 × 49,1 × 26,1 cm, ehemalige Dauerleihgabe im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen – Mit freundlicher Genehmigung von: lempertz / Auktionshaus Lempertz

Die Sammlung reicht von der Moderne bis weit in die Gegenwart. Hans Purrmann steht mit seinem von Farbe getragenen Werk für eine andere Entwicklung der deutschen Moderne. Karl Hartungs „Liegende“ von 1947 führt dagegen unmittelbar in die deutsche Nachkriegsskulptur. Der menschliche Körper wird in der Bronze nicht anatomisch ausformuliert, sondern zu einer weich fließenden, beinahe abstrakten Form verdichtet.

Ob die wirtschaftliche Entwicklung unmittelbar der Grund für die Veräußerung dieser Sammlung ist, sagt der Kulturkreis nicht. Ein direkter Zusammenhang lässt sich deshalb nicht belegen. Aber die Frage darf gestellt werden: Was bedeutet es, wenn Werke, die über Jahre zum musealen Alltag gehörten, diesen geschützten öffentlichen Raum verlassen und wieder zu handelbaren Objekten werden?

Mit Thomas Schüttes „Joker Poker“ von 1984 springt die Sammlung schließlich mehrere Jahrzehnte weiter. 

Thomas Schütte, Joker Poker, 1984, Installation mit Modell aus Holz und Farbe sowie Lack auf Papier
Thomas Schütte, Joker Poker, 1984, Installation mit Modell aus Holz und Farbe sowie Lack auf Papier – Mit freundlicher Genehmigung von: lempertz / Auktionshaus Lempertz

Schütte gehört heute zu den international bedeutenden deutschen Künstlern seiner Generation. Schon seine frühen Arbeiten bewegen sich zwischen Architektur, Modell, Skulptur und der Frage, wie Räume und gesellschaftliche Ordnungen entworfen werden. „Joker Poker“ verbindet ein Modell aus Holz und Farbe mit einem großformatigen Bild und zeigt, wie weit sich der Begriff der Skulptur innerhalb dieser Sammlung verändert.

Der Titel „Joker Poker“ bekommt in diesem Zusammenhang beinahe eine zweite Bedeutung. Spiel, Risiko, Gewinnen und Verlieren – genau diese Gedanken begegnen uns derzeit auch bei Anna Park in New York. In „House Rules“ wird die Spielkarte zum Symbol einer Gegenwart, in der Sicherheiten plötzlich nicht mehr selbstverständlich erscheinen. → Anna Park – House Rules bei Lehmann Maupin New York 2026

Hinzu kommen Werke von Horst Antes und Peter Brüning, die zuvor als Dauerleihgaben im Kunstmuseum Bonn zu sehen waren.

Dass ausgerechnet eine Sammlung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft nun diesen Weg nimmt, verleiht der Geschichte eine besondere Aktualität. Über Jahrzehnte wurden Werke erworben und Museen als Dauerleihgaben anvertraut. Nun kehrt sich diese Bewegung um: Die Kunst verlässt die Museen und geht zurück auf den Markt. Was dabei verloren geht und was dadurch neu entstehen kann, wird sich erst zeigen.

Warum der Kulturkreis seine Sammlung verkauft

Hinter der Veräußerung steht allerdings kein Rückzug aus der Kunstförderung. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI engagiert sich seit 1951 für junge Talente. Während dieser jahrzehntelangen Tätigkeit entstand die Sammlung, deren Werke schließlich als Dauerleihgaben ihren Weg in zahlreiche deutsche Museen fanden.

Nun soll gerade der Verkauf dieser Sammlung neue Mittel für die zukünftige Förderung schaffen. Der Kulturkreis begründet den Schritt damit, Kunst nicht nur bewahren, sondern ihre Entwicklung aktiv fördern zu wollen.

Damit bekommt die Auktion eine ungewöhnliche Pointe: Eine Sammlung, die aus jahrzehntelanger Kunstförderung entstanden ist, wird aufgelöst, um neue Kunstförderung zu finanzieren. Werke, die ihren Platz zeitweise im Museum gefunden hatten, kehren auf den Markt zurück – und ermöglichen damit möglicherweise den nächsten Künstlern erst den Beginn ihrer Geschichte.

Tags: Malerei, Skulpturen, Wirtschaft, Werner Heldt, Moderne Kunst, Nachkriegskunst, Zeitgenössische Kunst, Kunstmarkt, Karl Hartung, Thomas Schutte

Auktionstermine:
Herbstsaison 2026 bei Lempertz
Die konkreten Auktionstermine der Werke aus der Sammlung des Kulturkreises werden noch bekannt gegeben.

Vorbesichtigung:
Termine werden noch bekannt gegeben.